Freitag, 21. Juli 2017

Pinocchio entsäuert

Collodis Kinderbuch auf der Bühne in Hall

Der härteste aller Kritiker war im Auslandseinsatz. Auf dem Plan stand das Familienstück "Pinocchio" bei den Freilichtspielen in Hall. Die Inszenierung im Theaterzelt nimmt der Vorlage reichlich Moralin. Doch aus Altersgründen fällt das Urteil des härtesten aller Kritiker verhallten aus. Er fühlt sich wohl zu alt.

Dabei hat Max Merker der Vorlage reichlich Schwung und einen neuen Rahmen gegeben. Entsprechend des Aufführungsortes Theaterzelt macht er aus der Geschichte einer rasante Revue. Er verpasst dem Kinderbuch noch einmal einen ordentlichen Schwung und schafft es so, Collodis Werk die stellenweise Langatmigkeit zu nehmen. Zudem macht die neue Darstellung die Älteren neugierig und den Jüngeren nimmt es etwaige Berührungsängste

Dabei kann nicht nur Tina Haas als Conferencier glänzen. Selbst wenn Kinder nicht wissen, wie man dieses Amt auszufüllen,jetzt wissen sie es: Großspurig und raumgreifend und ein wenig selbstironisch, so muss das sein.

Tina Haas ist als Conferencier einer von zwei Stützen
dieser Inszenierung. Alle Fotos: J. Weller
Ansonsten hat Merker die Zahl der Protagonisten auf das Minimum, auf die Handlungsträger, reduziert. Das dient der Übersichtlichkeit und somit der Rezipierbarkeit. So macht ere aus dem umfangreichen Vorlage ein Stück, dass der Konzentrationsspanne des Publikums durchaus entspricht.

Überhaupt glänzt die Inszenierung vor witzigen und frechen Einfällen und Ideen, die spontan wirken. Die Startszene, in der der Holzklotz gespalten werden soll, steckt voller Zirkusluft und ist ein Glanzstück der Clownerie, an der alle Beteiligten Spaß haben, selbst der härteste aller Kritiker. Aber wenn schon so alt ist, dann darf man das wohl nicht mehr zugeben.

Auch die Bett-Rettungsszene ist wohltuender Klamauk, der an Bekanntes anknüpft und deshalb vom Publikum verstanden und leicht rezipiert wird. Diese gelungene Rezept zieht sich durch die gesamte Aufführung.

Gerade Mario Dengler in der Titelrolle trägt dazu bei, dass dieser Pinocchio so gut wie den Kindern landen kann. Ein Grinsen von Ohr zu Ohr und immer ganz große Auge, gepaart mit einer glockenklaren Stimme. Er sprüht geradezu vor Tatendrang und  optimistischer Blauäugigkeit. So ein unbedarfter Junge, der stolpert einfach von einem Missgeschick in das nächste.

Die Fee mit den blauen Haaren steht Pinocchio in seiner
zweitschwersten Stunde ab.
Dazu passt auch, dass Fuchs und Katze fast schon Randfiguren. Es stehen nicht zu sehr die Abenteuer und Missetaten im Vordergrund, sondern ganz eindeutig das Vater-Sohn-Verhältnis von Gepetto und Pinocchio. Serviert wird diese Auseinandersetzung eben in kleinen und appetitlichen Häppchen in schneller Folge. Doch durch die Sequenzen zeiht sich ein roter und somit folgt die Versöhnung der beiden Protagonisten durchaus einer inneren Logik

Für die Kinder wird Pinocchio zur Projektionsfläche und die Eltern und Betreuer können ihm nichts krumm nehmen. Oder ist es andersherum?

Mit EselHundKatzeHahn bei den Gandersheimer Domfestspielen hat Tante Polly schon 2015 bewiesen, dass das Trio ein glückliches Händchen für den Soundtrack zum Märchen hat. Mit Pinocchio setzt das Trio dies eindeutig fort. Dabei spielen Dominik Dietrich und seine Mitmusiker durchaus ironisch mit den Klischees der Musik. Da kann die kleine Möwe auch mal nicht nach Helgoland sondern an den Kocher-Strand fliegen. Aber das merken wohl nur die Älteren.

Vielleicht ist das Problem das undankbare Zwischenalter des härtesten aller Kritiker.Für pure Freude an dieser Inszenierung ist er wohl zu alt, für verständnisvolles Schmunzel und ahnungsvolle Kopfschütteln noch zu jung. Alle anderen haben auf jeden Fall viel Spaß an diesem Pinocchio, der erfrischend leicht daher kommt. Fast schon wie Balsa-Holz.









Veranstalter #1: Die Freilichtspiele Hall
Veranstalter #2: Das Stück

Thema #1: Pinocchio bei wikipedia



Andere Meinungen vom härtesten aller Kritiker

Der härteste aller Kritiker - Teil eins
Der härteste aller Kritiker - Teil zwei
Der härteste aller Kritiker - Teil drei
Der härteste aller Kritiker - Teil vier
Der härteste aller Kritiker - Teil fünf
Der härteste aller Kritiker - Teil sechs
Der härteste aller Kritiker - Teil sieben
Der härteste aller Kritiker - Teil acht
Der härteste aller Kritiker - Teil neun
Der härteste aller Kritiker - Teil zehn
Der härteste aller Kritiker - Teil elf
Der härteste aller Kritiker - Teil zwölf
Der härteste aller Kritiker - Teil dreizehn
Der härteste aller Kritiker - Teil vierzehn





Sonntag, 16. Juli 2017

Sterne verbrennen im Liebesfieber

Die Wahlverwandtschaften in Hall auf das Nötigste reduziert

Goethe ist schon schwerer Tobak. Aber man kann ihn auch verdaulich gestalten. Das beweist Caroline Stolz mit ihrer Inszenierung der Bühnenfassung von Gunter Heun. Dabei kommen beide ohne Modernismen aus und schaffen doch ein Stück mit Aussagekraft.

Die wichtigste Reduktion liegt in der Konzentration auf die vier Handlungsträger. Alle Randfiguren wurden entfernt und nur Eduard, Charlottte, Otto und Ottilie betreten die kreisrunde Bühne. Ist sie eine Arena, der Schauteller einer Etagere oder ein Liebeskarussel? Mehrere Deutungen sind zulässig und machen auch Sinn.

Mit der Ankunft des Hauptmanns Otto (Dirk Weiler, rechts)
gerät die Ordnung durcheinander. Alle Fotos: J. Weller
Auf jeden Fall wirkt das reduzierte Bühnenbild von Martin Dolnik faszinierend. Er lässt das Publikum in der Innere einer Spieluhr schauen. So wird bildhaft, dass  das weitere Geschehen einer sozialen Mechanik folgt. Oder einer naturgesetzlichen Zwangshaftigkeit, wie Goethe im Rückgriff auf den Chemiker Torbern Bergmann selbst anführte.

Passend dazu bewegen sich die Darsteller am Beginn des Stück wie die Puppen einer solchen Spieluhr. Abgehakt und unnatürlich und immer auf vorgegebenen Bahnen. Dazu sind alle Darsteller übertrieben geschminkt wie es  die Puppen des Biedermeiers es eben waren.

Damit greifen Stolz und Dolnik mehrere Versatzstücke aus dem frühen 19. Jahrhundert auf, um den gesellschaftlichen Rahmen und den Geist der Zeit zu verdeutlichen.Sie verzichten in ihrem klaren Konzept auf jegliche Modernismen. Selbst die Sprache ist der gestelzten Vorlage Goethes verhaftet.

Auch die Garderobe verbleibt im Biedermeier. Sie sieht nur eben recht abgerockt aus. Damit ist klar, dass hier eine Schicht schon bessere Zeiten gesehen hat und ihren Zenit deutlich überschritten hat.

Noch ist die Freundschaft von Eduard (hinten) und Otto
ungetrübt.         Foto: Jürgen Weller
Dann wird die Starre aufgelöst. Gunter Heun in der Rolle des Eduards gerät in einen Redeschwall und die Handlung nimmt Fahrt auf. Heun und Stolz erwecken die Wahlverwandtschaften schlagartig aus ihrem biedermeierlichen Dämmerschlaf. Mit dem Entschluss, den Jugendfreund des Barons für längere Zeit aufzunehmen, begeben sich Charlotte und ihr Gatte auf eine emotionale Schussfahrt, die nach der moralischen Logik des 19. Jahrhunderts unweigerlich in der Katastrophe enden muss.

Wer will, kann in diese Inszenierung durchaus moderne Zeiten hineinlesen. Denn mit der Aufnahme von Charlottes Mündel Ottilie entsteht der Urtyp der Patchwork-Familie. Vor diesem Hintergrund wird erst deutlich, welch Wohltat die Befreiung vom moralischen Imperativ im 20. Jahrhundert bedeutet.

Fein herausgearbeitet hat Caroline  Stolz die tiefe Ironie des Werks. Voller Tatendrang versucht Otto Struktur in das Leben und Wirtschaften seines müßiggängigen Freundes Eduard zu bringen. Der Hauptmann vermisst und kartografiert und plant und verdeutlicht. Aber gerade bringt damit die gewachsene Ordnung im Landschloss durcheinander. ZUm Schluss sind alle Sterne dere Hoffnung vom Himmel gefallen.

Im Zentrum des Geschehen steht Eduard und von Gunter Heun wird er wunderbar passend und auch allumfassend dargestellt. Von leise bis laut, von todtraurig bis albern, von raumgreifend bis nuanciert, von expressiv bis introvertiert, er beherrscht alles und kann es vermitteln. Damit ist Heun vielleicht der kompletteste Darsteller bei den diesjährigen Freilichtspielen.

Auf dieser Basis zeichnet er ein umfassendes Bild des eher ziellosen Adligen Eduard, inklusive seiner Gemütsschwankungen. Damit bringt Heun auch Eduards Aufwachen aus der Lethargie bei Ottilies Eintreffen glaubwürdig auf die Bühne.

Als der Hauptmann der Schlossherrin seine Liebe gesteht,
ist es zu spät.
Dennoch bleibt genug Raum für die Kollegen und wenn Heun der Fachmann für die Alpha-Männchen ist, dann ist Dirk Weiler der Experte für die schwierigen Charaktere. Manchmal steht ihm die Verklemmtheit ins Gesicht geschrieben. Manchmal scheint, dass der Text nicht so recht aus ihm heraus will, dass er sich nicht traut, das zu sagen was gesagt werden muss und deshalb kann er ihn nur über schmale Lippen herauspressen.  Damit ist er genau der Richtige für den Hauptmann, der nicht aus seiner Haut kann.

Heun und Weiler kontrastieren und ergänzen sich wunderbar. Mit diesem beiden Polen ist eine kongeniale Besetzung gelungen, die die verschiedenen Seiten der menschlichen Verwerfungen auslotet.

Alice Hanimyan braucht hingegen erst ein wenig, bis sie in das Fahrwasser findet. Ihre Ottilie ist in den ersten Sequenzen so sehr auf rotzfrech angelegt, dass man wünscht, auch die Biedermeier hätten schon Ritalin gekannt. Dafür ist ihre Wandlung zur ehrlich Liebenden und dann zur abgrundtief Verzweifelten um so schöner. Das geht zum Schluss richtig ans Herz.

Mit Silke Buchholz in der Rolle der Schlossherrin Charlotte gibt es auch hier einen ergänzenden Kontrast. Neben all den Hormonverwirrten gibt sie ruhig und äußerlich gelassen den Fels in der Brandung.

Goethe ist schon schwerer Tobak. Aber wenn er so dargereicht wird, dann hofft man, dass die Wahlverwandtschaften möglichst bald ihren Weg aus dem Theaterzelt der Freilichtspiele auf eine reguläre Bühne finden.







Veranstalter #1: Die Freilichtspiele Hall
Veranstalter #2: Das Stück

Thema #1: Die Wahlverwandtschaften bei wikipedia




Samstag, 15. Juli 2017

Das Drama der Reformation

Brenz 1548 bei den Freilichtspielen Hall

Es ist Reformationsjahr und während sich alle Welt auf Martin Luther konzentriert,  feiern die Freilichtspiele Hall den Lokalhelden und Reformator Johannes Brenz. Das ist durchaus zu begrüßen, denn es öffnet neue Perspektiven und liefert zugleich Detailansichten zu einem Ereignis, das die Welt verändert hat.

 Mit "Brenz 1548" versucht Intendant und Regisseur Christian Doll einen Spagat, der auf weiten Strecken gelingt. Dies ist vor allem den Hauptdarstellern Dirk Schäfer, Anne Weinknecht und Kerstin-Marie Mäckelburg zu verdanken.

Autor Andreas Gäßler wollte dreierlei leisten: Ein Drama abliefern, ein theologisches Lehrstück schaffen und Lokalgeschichte zeigen. Weil viele Anspielungen auf lokale Größen drinstecken, würde das Stück in Thüringen und in Anhalt, den Kernländern der Reformation so nicht funktionieren.

Dirk Schäfer beherrscht die Treppe und das Stück.
Alle Fotos: Jürgen Weller
Dort, wo es theologisches Lehrstück ist, wirkt "Brenz 1548" gelegentlich textlastig. Aber Gäßler schafft es, die Kernpunkte der lutherischen Reformation herauszuarbeiten. Er macht deutlich, was Katholiken und Protestanten trennt und das ist mehr als die Priesterehe und das Abendmahl. Es geht um ein neues Menschenbild und um die Freiheit des Christenmenschen. In seiner Inszenierung legt Christian Doll eben besonderen Wert auf diese Neuerung, die die Welt verändert hat.

Aber vor allem dort, wo "Brenz 1548" Drama sein darf, dort überzeugt es. Doll schafft beeindruckende Bilder und seine Darsteller schaffen bleibende Momente.

Die Handlung setzt 1548 ein. Der Thesenanschlag von Wittenberg liegt 31 Jahre zurück, Luther ist tot und die Reformation steckt in der Krise. Kaiser Karl V. lässt gerade mit Gewalt die Gegenreformation durch die deutschen Lande laufen.

Zwei Zeitreisende sind zur falschen Zeit am Ort. Sie sind auf der Suche nach Martin Luther und treffen auf Johannes Brenz. Der ist gerade aus Hall geflohen. Der Kaiser hatte die Auslieferung des reformatorischen Antreibers gefordert. Um sein Leben und sein Wirken zu rettten, ließ er seine todkranke Frau und die sechs Kinder zurück.

Ein Bild, das bleibt: Margarethe
stirbt.

Foto: J. Weller
Von diesem Ausgangspunkt erzählt Doll in Rückblenden die Geschichte der Reformation im deutschen Südwesten. Es sind einzelne, meist schnell, zuweilen auch hektische Sequenzen. Um so viel Dynamik auf die sperrige Freitreppe vor der Michaeliskirche zu bekommen, bedarf es wohl viel Regiearbeit. Man merkt gar nicht, das diese vertikale Bühne eigentlich ein Schauspielverhinderungsmonstrum ist.

Mit ihrem Bühnenbild mit acht Türen zieht Anne Brüssel einige Ebenen in diese Vertikale ein. Dies ermöglicht es, dass Spiel zu gliedern und zu begrenzen. Somit schafft sie Orientierung für das Publikum und damit trägt sie wesentlich zum Erfolg bei.

Angenehm ist auch, dass Veronika Witlandt  bei den Kostümen zwar modische Zitat bringt, aber ansonsten auf Anbiederung an das 16. Jahrhundert verzichtet. Damit bewahrt sie "Brenz 1548" vor dem Historienspiel und weist über die Zeit hinaus.

Geschichte wird gemacht und deshalb muss es auch rasant zugehen. Aber ihre wirklichen Stärken entwickelt diese Inszenierung, in den stillen und lyrischen Sequenzen, wenn gesprochen und nicht proklamiert wird, wenn die Schauspieler einfach mal ihre Präsenz wirken lassen dürfen.

Dazu gehört eindeutig die Liebesszene zwischen dem Dauerjunggesellen Brenz und der jungen Witwe. Das soviel Poesie aus dieser riesigen Bühne möglich ist, liegt an dem kongenialen Zusammenspiel von Anne Weinknecht und Dirk Schäfer.

Überhaupt scheint die Rolle des Reformators Dirk Schäfer auf den Leib geschrieben zu sein. Von laut bis leise, von fordernd bis verzweifelnd, Schäfer bringt die ganze Person Brenz auf die Bühne und macht auch dessen Zerrissenheit und Entwicklung deutlich. Damit setzen Doll und Schäfer einen neuen Höhepunkt in ihrer Zusammenarbeit.

Von Kaspar zum Despoten: Carl-Ludwig Weinknecht als
Kaiser Karl V.

Foto: J. Weller
Anne Weinknecht ist der leise Widerpart. Der zukünftigen Frau Brenz liegen nicht die großen Töne, sondern das beharrliche Nachfragen und das überzeugte Einstehen. Damit sind die beiden eine wunderbare Ergänzung.

Höhepunkt dieses Zusammenwirkens ist ohne Frage die Sterbeszene der Margarethe. Hiner kumuliert die ganze Dramatik in einem großartig Bild, das haften bleibt. Selbst die plötzliche Wendung der Sybille Burgmeister, überragend gespielt von Kerstin-Marie Mäckelburg, ist durchaus glaubwürdig.

Erst ein Kaspar, dann ein Despot So könnte man die Wandlung des Kaiser Karl V. beschreiben. Auf jeden Fall kann Carl-Ludwig Weinknecht in der Rolle des Regenten diese Entwicklung glaubhaft vermitteln.

Mit "Brenz 1548" hat Christian Doll einen überzeugenden Einstand bei den Festspielen Hall abgeliefert und bewiesen, dass er nicht nur lustig kann.







Veranstalter #1: Die Freilichtspiele Hall
Veranstalter #2: Das Stück

Thema #1: Johannes Brenz bei wikipedia
Thema #2: Kaiser Karl V.



Ein Mann und sein Publikum

Eine Abhandlung über Georg Ringsgwandl im Sülbecker Esel

Umfallen unmöglich. Bereits zwanzig Minuten vor Beginn des Konzerts ist der Saal rappelvoll. So voll, dass auf den billigen Plätzen jeder den anderen in der Vertikalen hält. Mancher erweckt den Eindruck, als hätte seinen Sitzplatz schon vor 40 Minuten erobert und sei auch nicht gewillt, ihn bis zum Ende des Abends preiszugeben.

Die Kopfrechenarten melden sich. Es sind offiziell 220 Gäste an diesem Abend im Esel. Jeder gibt eine Wärmeleistung von 180 Watt ab. Plus die Scheinwerfer, die schon jetzt auf der Bühne leuchten ist das ergo eine Bullenhitze schon zwanzig Minuten vor dem Beginn des Konzerts.

Dabei ist es doch ein selten lauer Abend in diesem nass-kalten Sommer 2017 und draußen laden Tische und Bänke zu Verweilen ein. Was treibt also die Menschen nach drinnen. Ganz einfach: Georg Ringsgwandl wird an diesem Abend im Esel spielen. Der Meister hat gerufen und seine Jünger und Jüngerinnen sind ihm gefolgt.

Von jünger kann aber nicht die Rede sein. Es dominiert die Generation Ü 50. Aber gut, der Ringsgwandl Georg, der geht ja auch auf die siebzig zu. Man ist wohl miteinander alt geworden, in einer Fernbeziehung und jedes Mal, wenn der Georg in der Nähe ist, dann guckt er halt bei seinen Freunden in Sülbeck vorbei. So schaut's zumindest aus.

Ringsgwandl hat sich zum x-ten Mal gehäutet.
Alle Fotos: tok
Er ist mit kleiner Besetzung gekommen. NIck Woodland spielt Gitarre und auch mal Mandoline, Christian Diener bedient den Kontrabass und Tommy Baldu sitzt am Schlagzeug und an der Percussion. Rechts auf der Bühne steht eine Zither, die darauf wartet, zum Einsatz zu kommen. Marketing-Hansels würden das Konzert wohl als "unplugged" verkaufen.

Max sitzt am Mischpult und Ringsgwandl stellt ihn vor, ganz familiär halt. Er lobt ihn, noch bevor der erste Ton gespielt wurde. Das Lob hat er sich mehr als verdient. Der Klang ist an diesem Abend einfach großartig. Klar und druckvoll und transparent. Jeder Ton klingt brillant. Dass der Meister zum Nuscheln neigt, dafür kann der Max halt nix.

Den ersten donnernden Applaus gibt es, als Ringsgwandl und seine Begleiter die Bühne betreten. Man weiß, was einen erwartet. Der lyrisch musikalisch Kabarettist ist schließlich zum sechsten Mal im Esel in Sülbeck.

Die Tour heißt "Woanders", genauso wie das aktuelle Album. Sie könnte genauso gut "Wer anders" heißen, denn mit diesem Werk hat sich das Multitalent mal wieder gewandelt. Oder muss es es heißen "gehäutet". Auf jeden Fall ist er anders las beim letzten Mal im Esel. Deswegen ist mancher im Publikum überrascht und trotzdem begeistert.

Von den schrillen, extrovertierte und lauten Zeiten der Alpinkatzen ist das aktuelle Werk Welten entfernt. Es ist ruhig, innerlich und persönlich. Man mag kaum glauben, dass dieser Mann einst den Alpenrock erfunden hat. Fraglich ist aber, ob das Publikum heute noch das Tempo von einst mitgehen könnte.

Eigentlich macht Ringsgwandl an diesem Abend alles falsch, was man bei einem Konzert falsch machen. Das Programm ist eben nur das aktuelle Album, Ringsgwandl redet viel, das Quartett spielt nur einen Song und dann redet Ringsgwandl wieder viel. Es gibt keine Show, keine Rampensau taucht auf und auch das Licht verzichtet auf Effekte. Es gibt halt nur Musik und die ist saugut.

Keine Angst, sie ist auch zum Einsatz gekommen.
Es ist wie auf dem Album, aber eben gleich zwei Spuren besser. Es bluest und sambat und ländlert und überall gibt es mindestens eine Extraportion Musik. Hier wird noch eine Schleife gedreht und dort noch etwas zur Studioversion hinzugefügt. Ringsgwandl und Band sind Zauberer. Mit kleinen Mitteln erzeugen sie Momente, die nachwirken und dann große Momente werden. Irgendwie swingt es einfach und niemand vermisst die lauten Alpinkatzen

Es sind vor allem Geschichten aus dem Alltag, von denen Ringsgwandl und seine Begleiter da berichten. Von ehemaligen Spargelköniginnen, von Kleinkriminellen und von der Einsamkeit der Provinz und von Frauen, die es dort nicht mehr aushalten. Aber sie haben alle einen besonderen Zauber. Alle eint ein Rest-Trotz, ein Rest-Optimismus.

Wie gesagt, eigentlich redet Ringsgwandl zu viel. Aber das steckt in ihm drin und muss raus und irgendwie gehört es auch dazu. Sonst würde man einiges nicht verstehen und überhaupt hat der Musiker eine besondere Art zu erzählen. Wie gesagt, er geht auf die siebzig zu wirkt doch wie ein kleiner Bub, der über sich und die Welt erstaunt ist. An diesem Abend gibt Ringsgwandl dem Publikum eine ordentliche Portion Unbedarfheit zurück. Es scheint, als sei Peter Pan im Esel gelandet. Die Generation Ü 50 bedankt sich dafür.

Es ist rappelvoll und bulleheiß im Esel und der Sauerstoffgehalt liegt noch drei Prozentpunkt unterhalb der Teenager-Party. Draußen laden Tische und Bänke zum Verweilen ein und weil die Fenster offen stehen, kann man dort auch jedes Wort und jeden Ton bestens verstehen. dank Max.






Musiker #1: Die offizielle Website von Georg Ringsgwandl
Musiker #2: Die Biografie bei wikipedia

Veranstalter #1: Das Programm im Esel



Donnerstag, 29. Juni 2017

Ein Konzert mit Kontrasten

YoYo und B.B. & The Blues Shacks lassen alte Zeiten aufleben

Der Förderverein der Stadthalle Northeim hat Mut bewiesen. Auf die Idee, eine Reggaeband und ein Bluesband und ein Dach zu bringen, sind bisher nur wenige gekommen. Auf jeden Fall ist es aber aufgegangen.

Klassentreffencharakter, vielleicht kann die Atmosphäre so bezeichen . Klassentreffen? Ja, man weiß, dass man sich aus alten Zeiten kennt oder kennen sollten. Dennoch gibt es da eine gewisse Distanz, die man erst mal langsam abbauen. Auch das Publikum machte diese Distanz deutlich, obwohl man sich doch eigentlich bestens kennt.

Yoyo macht das aber nicht aus. Mit "I shot the sheriff" gehen die sieben gleich in vollen. Damit gehen sie durch das Risiko ein, ihr Pulver zu schnell zu verschießen, denn das Set der Vorband besteht ja nur aus 12 Songs und es ist auch auf der Bühne ein wenig wie Klassentreffen, denn Jojo hat zurückgefunden. Sein Tastenspiel reiht sich an diesem Abend nahtlos ein in das Ensemble.

Till zeigt seine Klasse als Solist. Alle Fotos: Tok
Eigentlich könnte der Auftakt nicht besser sein. Der Bass wummert, das Keyboard wimmert, die Percussion breitet einen ordentlichen Rhythmusteppich aus und Till legt ein ordentlich Gitarrensolo hi. Heiko singt stimmig und gefühlvoll und macht die latente Aggressivität in diesem Song deutlich und Heike setzt die passende "Huhuhus". So muss Reggae sein.

Was nicht so sein muss, ist der bestenfalls mittelmäßige Sound in de Gesangspartien. Die Stimmen versacken im Sumpf der Mitte. Keine Spitzenöne in de Höhen und kein bassiges Gebrummel und das Text-Verständnis tendiert gegen Null.

Bei "Could you be loved"  ist es das gleiche Dilemma. Auf der Bühne eine Klasseband, die Spaß hat an dem, was sie spielt und die wegen der Unzulänglickeit der Technik nur einen Teil dieses Spaßes vermitteln kann. Den Fans ist es egal. Die Zahl der Mittänzer steigt langsam aber stetig und bei "Stir it up" kommt dann Stimmung auf. Northeim macht es seinen musikalischen Töchtern und Söhnen trotzdem nicht einfach.

Die Arlt-Brüder sind Rampensäue
Doch die haben Spaß mit dem was sie machen und je länger der Abend dauert. Tills Soli werden immer ausgefeilter und mit den Cover-Versionen von "Come together" und "Konockin' on Heavens Door" zeigen sie, dass irgendwie alles Reggae sein kann, wenn man es nur lässt.  Dann sind die 12 Stück durch und das Set ist durch, aber das Publikum lässt die Sieben dann doch nicht so sang- und klanglos gehen und erklatsch sich noch eine Zugabe. Klassentreffen können doch Spaß machen.

Kontrastprogramm ist angesagt. B.B. & The Blues Shacks kommen auf die Bühne und das Publikum rückt ganz dicht an die Rampe heran. Denn dafür hat man ja den Weg in die Stadthalle gemacht. Auch das ist ein Klassentreffen, denn seit mehr als 25 Jahren sind die Hildesheimer immer wieder zu Gast in Northeim und Michael wird sich publikumswirksam daran erinnern.

Was soll man eigentlich noch schreiben über eine Band, die seit langem und unumstritten Europas beste Bluesband ist? Die den Blues am Leben gehalten hat als kühler Elektro-Pop über dem ganzen Kontinent lag?

Der Mann, der schnell spielt als sein Schatten.
Na, ist doch klar. Die Jungs haben immer noch so viel Spaß wie am allerersten Tag und das Publikum hat mindestens genauso viel Spaß vom ersten Ton an. Schon beim Opener "She moves me" ist klar, wo es an diesem Abend lang geht: Straight forward. Andreas Arlt legt gleich eins seiner unvergleichlichen Soli hin. Eigentlich können so endlose Gitarrensoli recht nervtötend sein. Nicht bei Andreas Arlt. Es ist einfach erstaunlich wann und wo er welchen Ton noch aus seinem Instrument zaubert und das alles ohne irgendwelche Effektgeräte. Purer Sound halt. In einem eigenem Stil aus Blues und Soul reiht er Klänge der hektischen Art und Klänge der bedächtigen Art aneinander, ohne dass es Brüche gibt.  Man ist immer gespannt auf den nächsten Ton

Mit Fabian Fritz hat er jetzt einen adäquaten Mann an den Tasten. Die Kinnlade klappt gelegentlich runter, ob der Geschwindigkeit und Präzision mit der er die Töne aus dem Instrument befreit. Doch, die sind da alle drinnen gefangen und wollen möglichst schnell raus. Fabian Fritz ist wohl der Mann, der schneller spielt als sein Schatten.

Das Michael Arlt die Blues Harp zur Kunstform erhoben hat, dass ist an anderer Stelle schon vielfach beschrieben worden und zuletzt hier im April.

Bum-Bum, Bum-Bum, das ist der Rhythmus des Herzens und es ist der Rhythmus des Blues. Deswegen berührt er so tief  und deswegen werden schon beim zweiten Stück die Luftgitarren im Publikum gezückt. Damit ist alles bereit für ein Konzert aus der Kategorie "Herzschrittmacher".  


Northeim #1: Förderverein Stadthalle
Northeim #2: Programm in der Stadthalle

Musik #!1: Yoyo - die Website
Musik #2: B.B. & The Blues Shacks - die Website
Musik #3: der Youtube-Channel von B.B. & The Blues Shacks
Musik #4: der wikipedia-Eintrag zu B.B. & The Blues Shacks
Musik #5: B.B. & The Blues Shacks im Exil in Göttingen









Freitag, 23. Juni 2017

Wahrlich eine Sternstunde

Ballettgala bei den Schlossfestpielen zeigt mehr als State of Art

Thüringens Norden entwickelt sich zum Standort für Highballett. Das zeigte die Ballettgala "Sternstunden" bei den Schlossfestspielen Sondershausen am Mittwoch. Der zweigeteilte Abend gab vielleicht sogar einen Einblick in die Zukunft des Tanztheaters.

Den Auftakt machte das Thüringer Staatsballett in Gera. Zuerst arbeitete es "Romeo und Julia" aus anderer Perspektive auf. "Mercutios Geheimnis" erzählt die tödliche Liebe aus Sicht von Romeos bestem Freund. Dabei liegt die Betonung auf "erzählt".

Die beiden Choreographien dürften die Anhänger des klassizistischen Tanztheaters erfreut haben. Es ist traditionelles Handlungsballett und sie bedienen sich traditioneller Ausdrucksformen. Es gibt Spitze und viele Hebefiguren. Das ist gute alte Schule und passt zum gestelzten höfischen Gehabe in "Rittertanz" wunderbar und die Balkonszene rührt das romantische Herz.

Mercutios Geheimnis ist neoklassisches
Handlungsballett.    Foto: Veranstalter
Von diesem Punkt aus nähert sich das Staatsballett dann Stück für Stück dem zeitgemäßen Tanztheater. Dennoch bleibt das Pärchen-Thema das bestimmende. Das Trio aus "Gold aus Ring" erzählt von der Last der Einsamkeit und den Bedingungen und Wechselspielen der Gemeinsamkeit.

Erst liegt Hudson Oliveira am Boden, bevor er vom Duo Ion Beitia Fernandez und Vinicus Leme abgelöst wird. Die beiden passen einen Pas de deux, der von gegenseitiger Faszination, Anziehung, Abstoßen und Wiederfinden erzählt. Aus Miteinander wird Nebeneinander und Gegeneinander und wieder Miteinander. Man merkt schon, dass das gemeinsame Projekt mit der Band Keimzeit für Ballettchefin Silvana Schröder eine Herzensangelegenheit ist.

Schon bei der Verabschiedung von Jutta Ebnother im vergangenen Frühjahr war "My body is a Cage" im Theater Nordhausen zu sehen. Auch bei den Schlossfestspielen   gab das Staatsballett  gibt im Namen der Generation "Beziehungsunfähig" ein tänzerisches Statement ab. Der Choreographie von Silvana Schröder liegt ein Song von Peter Gabriel zugrunde, in dem der Altmeister des Psycho-Pops von den Hindernissen bei der Kontaktaufnahme singt.

Vertigo Maze der Semperoper ist das
Kontrastprogramm. Foto: Veranstalter
Stefania Mancini und Filip Kvaćák setzen diese Isolation in bewegender Weise um. Da ist das Leben, dass ihnen wie Staube zwischen den Finger zerrinnt. Erst tanzen sie als Solitäre, dann finden sie zueinander und zum Schluss bleibt er allein zurück, nachdem sie den Weg allen Irdischen gegangen ist.

Doch die 2017-er Version ist erweitert. Erst ertönt es ein Cover-Version mit fast lieblicher Stimme, dann grummelt Gabriel selbst in den Tiefen der Depression herum. Damit hat Schröder auf einfache Weise zwei Bearbeitungen ein- und desselben Themas geliefert, die mit ihren Nuancen die unterschiedlichen Ausdrucksmöglichkeiten des Tanz deutlich macht.

Damit bewegt sich der Abend auf modernen Tanz hin und folgt einer eigenen Dramaturgie. Neoklassische Elemente sind im zweiten Teil nur noch bei genauem Hinschauen zu entdecken.

"Vertigo Maze" mit Raquel Martinez Vicente und Jon Vallejo vom Ballett der Semperoper lebt von einem deutlichen Kontrast. Der Gegensatz von meditativer Musik und schnellen, raumgreifenden Bewegungen erzeugt eine Spannung und Neugier. Das, was Bach sein soll, klingt eher wie Stockhausen. Aus dem Miteinander des Pas de deux wird immer wieder ein Solo und dann wieder ein pas de deux.

Ähnliche Motive finden sich in "Der Tod und das Mädchen" vom Ballett das Mainfrankentheaters Würzburg. Trotz des  schweren Thema legen Kaori Morito und Leonam Santos eine Choreographie vor, die man durchaus als lyrisch bezeichnen. Weich und sanft sind die ersten Assoziationen zu diesem Pas de deux.

Es ist aber durchaus erkennbar, das Nordhausens Ballettchef Ivan Alboresi lang mit diesem Ensemble gearbeitet hat. Die Choreographie vereint klassische Figuren und modernen Ausdruck. Die Lyrik weicht dann aber der Hektik, die Schritte werden raumgreifend und die Tänzer durchmessen die Bühne, um zum Schluss wieder in geordnete Bahnen zu gelangen

Schwanensee vom TN Los! überzeugt auch auf der großen
Bühne der Schlossfestspiele. Foto: Veranstalter
Die "Groovin' Bodies" des Ballett Rossa der Oper Halle sind völlig anders angelegt. Die Musik ist minimalistisch, eine Melodie oder ein Verlauf ist nicht mehr zu erkennen. Es geht nur um den reinen Klang. Zudem sind Yulia Gerbyna und Michal Sedlacek meilenweit von Handlungsballett der ersten Stücke entfernt.

Bewegung ist das Thema und es ist die erste Choreographie an diesem Abend, die das Licht ganz sichtbar als Gestaltungsmittel einsetzt. Es wechselt von Fluter auf Spot und zurück. Mit ihren vielen Hebefiguren erzeugen die Tänzerin und der Tänzer spektakuläre Bilder und viele Wooow-Momente. Das Publikum versinkt geradezu in der andächtigen Betrachtung.

Abschluss und Höhepunkt bilden dann die sieben Choreographien der Hausherren. Auch wenn sie im Laufe des vergangenen Jahres so am Theater Nordhausen gezeigt worden, locken sie immer noch Erstaunen hervor. Zusehen sind Ausschnitte aus vier Stücken und alle eint eins. Ivan Alboresi ist Ästhetik durch und durch, ihm liegt nicht viel an der Erzählung einer Handlung. Es ist deutlich, dass es hier um den Reiz der Bewegung geht, um dieses Spannungsfeld aus Abstraktion und archaischen Werkzeug Körper.

Dazu verbindet er klassische Figuren und moderne Mittel zu einem sehr eigenen Stil. Man kann an diesem Abend darüber philosophieren oder einfach schweigen und genießen.

Etwas anderes zeichnet die Ballettgala noch aus. Fünf zum teil sehr unterschiedlich Kompagnien zeigen  nicht nur, was sie können. Sie beobachten einander auch und tauschen sich aus. Damit sind die Schlossfestspiele zum einen Labor in Sachen Tanztheater geworden. Die Weiterentwicklung der Bühnen ind Sondershausen und in Nordhausen macht damit einen großen Schritt nach vorne.


Thüringer Schlossfestspiele #1: Das Programm

Kompagnien #1: Thüringer Staatsballett Gera
Kompagnien #2: Ballett der Semperoper Dresden
Kompagnien #3: Mainfrankentheater Würzburg
Kompagnien #4: Ballett Rossa Halle
Kompagnien #5: TN Los! Nordhausen

Ballett Nordhausen #1: Die Seele erzählt nicht, sie tanzt
Ballett Nordhausen #2: Schwanensee
Ballett Nordhausen #3: Ballettgala 2016








Sonntag, 18. Juni 2017

Fett gehupt, richtig fett gehupt

Brönner und Ilg dringen zur DNA des Jazz vor

Es war anders als von den meisten erwartet, aber es war großartig. Am Sonnabend gastierten Till Brönner und Dieter Ilg bei den Kreuzgangkonzerten in Walkenried und sie zeigten, was den Jazz ausmacht: Der Dialog gleichberechtigter Partner. Damit bewies der Trompeter, der gelegentlich unter dem Etikett "Schmusejazzer" firmiert, dass er auch Ernst kann und das sogar richtig gut.

Der eine steht in den Charts, der andere in den Lehrbüchern. Till Brönner und Dieter Ilg sind  zwei recht unterschiedliche Seiten ein und derselben Musik. Während der eine die großen Hallen  füllt, ist der andere doch eher dem Fachpublikum bekannt. Dennoch prägt Ilg seit Jahrzehnten den europäischen Jazz und hat Maßstäbe in der Behandlung des Kontrabasses gesetzt.

Till Brönner hupt ganz schön fett.      Foto: tok
Sie als Antipoden zu bezeichnen, wäre übertrieben, aber diese Kombination verspricht eine produktive Spannung. Daher ist umso schöner, dass sich beide gelegentlich zur kleinsten Band der Welt zusammenfinden. Brönner wird im Laufe des Abends erklären, dass man Klavier oder Gitarre nicht braucht. Harmonieinstrumente würden einfach überschätzt, so seine steile These.

Reduktion auf das nötigste lautet der Anspruch an sich selbst und den erfüllen Brönner und Ilg. Der Bass erfüllt immer zwei Funktionen. Er ist zugleich Rhythmus- als auch Soloinstrument. Dieter Ilg kann das und zwar mühelos. Nicht ein einziges Mal wirkt der Meister angestrengt und uncool.

Mit Kuscheln ist nicht viel bei diesem Konzert. Schon mit dem Opener "Will of Nature" legt das Duo ein hohes Tempo vor. Es ist die Bebop-Version seines typischen Brönner-Songs. Ilg baut am Bass die Basis, auf der Brönner seine Melodie-Linien ablegt. Er setzt gleich drei Klasse-Soli in die weite Runde des Kreuzgangs. "Fett gehupt" nennt der Jazz-Slang solch einen Vorgang.

Im Dialog mit der Trompeter zeigt Ilg dann, dass auch der Kontrabass eine Soloinstrument ist. Im seinen Händen setzt das sperrige Instrument überraschend filigraneTöne. Ilg deutet an, was sonst noch so möglich ist mit vier Saiten und macht damit Lust auf Mehr. Er wird noch viel Raum bekommen an diesen Abend. Dieses Duo ist eine Partnerschaft auf Augenhöhe.

Cool oder konzentriert? 
Peng! Nun kommt das Kontrastprogramm. Die schrille Trompete schreit an der Grenze der Atonalität, um dann wieder in den Dialog mit den Bass einzutreten. Ilg leitet die Free Jazz-Anwandlungen seines Kompagnons in geordnete Bahnen. Aus dem Tonsalat schält sich ein Rhythmus und irgendwann swingt "Peng! Peng!" sogar richtig. Den Schlusspunkt setzt Brönner mit drei spitzen Tönen. Selbst für das ungewohnte kann sich das Publikum an diesem Abend begeistern.

Blues, Bebop, Swing, Cool oder Free Jazz. Brönner und Ilg fechten keinen akademischen Streit darüber aus, welche Spielart den nun der einzig wahre Jazz sei. Sie zeigen musikalische Zusammenhänge auf und machen Geistesverwandtschaften deutlich. Deswegen macht auch ein Volkslied wie "Es, es, es" ins Programm und die Suite BWV 1068 von Johann Sebastian Bach ins Programm.

Während der Bach und seine Air on the G-String in der Zugabe dann doch als barockes Schmusestück abgeliefert wird, kommt das Lied der Wandergesellen doch verdammt cool daher. Brönner setzt weiche Töne, die er ausklingen und wirken lässt. Mehr Reduktion ist nicht möglich . Mit dem Kunstgriff der Loopmaschine tritt die Trompete dann in den Dialog mit sich selbst ein und und das Publikum lauscht gebannt.

Für manche ist es ein Jazzstandard, für die Till Brönner verkörpert "Bod & Soul" einfach die DNA dieser Musik. Erst hat die Solo-Trompete den Blues und erinnert an die Ursprünge des Jazz, dann lässt es Brönner richtig swingen und erinnert an die Ära, die für manche die goldene sein mag. Nun setzt der Bass ein.

Es bleibt die Erkenntnis, dass Einsamkeit immer eine große Triebfeder war, um Gefühle in diese Art von Musik zu verpacken. "Body & Soul" endet in einem spitzen Aufschrei der Trompete und das Publikum macht "Puuuhhh!"

Manchmal braucht es einen Dämpfer.
Jazz als Kunstform gibt es an diesem Abend auch noch. In "Fith of Beethoven" versuchte Ornette Coleman den Rückgriff auf die Klassiker europäischer Musik. Auf den ersten Blick laufen die Klangfragmente Trompete und des Basses immer wieder gegeneinander und kontrastieren sich. Doch er gibt immer wieder kurze Momente des Einklangs, präzise gesetzt.

Dieser Song ist für Dieter Ilg wohl eine Herzensangelegenheit. Der bis dahin so coole Bassist geht aus sich heraus. Hätte Jiimi Hendrix einen Bass gehabt, er hätte ihn wohl so gespielt wie Ilg in diesen Momenten.

Till Brönner ist ein guter Entertainer und neben vielen Anekdoten erzählt er auch die Entstehungsgeschichte von "Café ou pão". Dann zeigt er, dass er auch ein passabler Sänger ist. Dass Boss Nova und Jazz Verwandte im Geiste sind, ist keine neue Erkenntnis. Sie noch einmal aus der Trompete von Till Brönner zu hören, ist trotzdem schön.

Ein Jazzabend ohne Charlie Parker kann nicht komplett sein. "Au private" steht an und das Konzert startete mit Bebop und Bebop ist dann auch der Schlusspunkt. Wieder legt Ilg die Basis, auf der Brönner dann fantasieren kann und doch finden sie immer wieder zueinander. Deswegen ist Jazz die Musik der Freiheit. Auf einer gemeinsamen Grundlage kann jeder machen, was er will und trotzdem bleibt man vereint.  



Walkenrieder Kreuzgangkonzerte #1: Die Website
Walkenrieder Kreuzgangkonzerte #2: Das Programm


Till Brönner #1: Die Website
Till Brönner #2: Die Biographie

Dieter Ilg #1: Die Website
Dieter Ilg #2: Die Biographie 





Samstag, 17. Juni 2017

Schiller mit Leichtigkeit

Kabale und Liebe bei den Domfestspielen

Es war schon so etwas wie eine Feuerprobe. Mit Schillers "Kabale und Liebe" legte Achim Lenz als neuer Intendant der Domfestspiele am Freitag seine erste Inszenierung vor. Probe bestanden, Lenz kann auch ernstes Fach. Neben der werkimmanenten Dramatik bekommt seine Version dennoch eine unerwartete Leichtigkeit.

Diese Tragödie ist ein Clash of Cultures. Hier die unbeschwerte Jugendlichkeit des Liebespaar Luise Miller und Ferdinand von Walter. Dort das erstarrte Günstlingssystem des Feudalismus, personifiziert im Präsident von Walter.

Doch bevor das Intrigenspiel losgeht, sorgt die Bühne für Aufmerksamkeitsmomente auf einer Fläche von 6 mal 6 Meter bildet die Großaufnahme einer korrodierten Oberfläche den Hintergrund. Darin ist ein Tür eingelassen. Die Assoziation verrostet = verrottet ist augenscheinlich.

Schon im Sturm und Drang waren Eltern gelegentlich
mit 
ihren Kindern überfordert. Fotos: Hillebrecht
Die Bildfläche wird auf dem Boden gespiegelt. Das ist die Spielfläche, nicht mehr und nicht weniger. Alles was passieren wird, passiert auf diesem knappen Areal, das kaum größer ist als ein Boxring. Begrenzt ist der Aktionsraum durch jeweils zwei Scheinwerferstative rechts und links.

Mit diesem Bühnenbild ist Sandra Becker und Achim Lenz etwas Großartiges gelungen. Sie beenden die Uferlosigkeit der Freilichtbühne und schaffen einen engen, geradezu intimen und aufgeladenen Raum. Zwangsläufig fokussiert sich das Publikum auf das Geschehen.

Der Regisseur Achim Lenz hat so aus dem großen Drama quasi ein intensives Kammerspiel geschaffen. Dies liegt durchaus in der Logik der Vorlage. Egal, um welche Szene es geht, sie spielen alle in geschlossenen Räumen. Zudem ist das behütete Heim die wichtigste Rückzugstätte des Bürgers, dessen Nimbus hier aber immer wieder verletzt wird. Die Gewalt des Potentaten und seiner Handlanger durchdringen alles. Diese Aussage dürfte durchaus im Sinne Schillers sein. Ach ja, und die Namensverwandtschaft zur Kamarilla, die spielt auch eine Rolle.

Un die Enge des Raums steigert die Dramatik der Handlung. Die Protagonisten sind einander ausgeliefert. Es gibt keinen Fluchtweg, keinen Rückzugsort, der Konflikt muss ausgetragen werden. Das erzeugt eine Körperlichkeit, die diese Aufführung bei ihrer Sprachlastigkeit eine zusätzliche Spannung verleiht. Gäbe es zudem noch mehr stille Momente, in der die beeindruckenden Bilder und die Darsteller einfach wirken könnten, dann wäre der Zustand der wunschlosen Glückseligkeit erreicht, zumindest für zwei Stunden.

Stephan Ullrich (vorne) hat als Präsident von Walter
alles im Griff. Fotos: Hillebrecht
Kabale und Liebe ist ein Clash of Cultures und es ist vor allem der Kampf eines Dreigestirn. Auf der einen Seite verkörpern Michael Sikorski und Kristin Scheinhütte als Ferdinand und Luise pure Liebe und Jugendlichkeit. Schon in der Eingangsszene verpassen sie dem gelegentlich zähen und überbordenden Schiller eine ungewohnte Leichtigkeit.

Wie schon in der Kleinen Hexe bilden die beiden ein ein Traumpaar, dass sich wunderbar ergänzt. Es macht einfach Spaß, den beiden zuzuschauen und sie hinterlassen bleibende Momente. Sie tollen und toben verleibt über die Bühne, wie es sonst nur hormongesteuerte Teenager können. Diese Liebesglück wirkt ansteckend.

Als das Lustspiel in einer Trauerspiel umschlägt, kann vor allem Sikorski seine Stärken ausspielen. Er wirkt stark und bestimmend, wo er stark sein muss und schafft doch den Sprung ins Bedauern. Er beherrscht die ganze Palette von verliebt säuseln über drohen am Rand des Brüllens bis zum bissigen Ton des überzeugten Selbstmörders. Wunderbar arbeitet er heraus, wie enttäuschte Liebe in Zorn und Aggressivität umschlägt. Schiller hätt's wohl gefallen. Soviel Sturm und Dranag war selten vor der Stiftskirche.

Doch die Höhepunkte setzt ein anderer. Um mal eine antiquierte Formulierung zu gebrauchen: Dieser Abend ist der Abend von Stephan Ullrich in der Rolle des Präsidenten von Walter. Mehr Intrigant geht nicht und auf der J.-R.-Ewing-Skala erreicht er 11 von 10 Punkten. Ihn als fiese Möpp zu bezeichnen, das wäre eindeutig ein Kompliment.

Dabei verzichtet Ullrich auf die  überbordenden Gesten und große Worte. Sein Spiel wirkt angesichts der Rolle eher reduziert und zurückhaltend, doch genau damit überzeugt er. So wird das Treiben des Hintertreibers umso perfider. Ihn treibt nicht die Verzweiflung sondern hartes Kalkül. Unterstützt wird diese Aussage durch sein Technokraten-Outfit.

Ullrich setzt jedes Wort präzise und passend. Sprache wird hier zu einer messerscharfen Waffe. Die Körperhaltung ist selbstbewusst und ohne Pathos und die Handgriffe auf das Nötigste beschränkt.

Ferdinand und Lady Milford werden bestimmt keine
Freunde mehr.  
Damit zieht er in das politische Ränkespiel noch eine deutliche Vater-Sohn-Ebene ein.  Weimarer Klassik wird so mit griechischer Tragik ergänzt.

Es mag sicherlich schwer sein, im Schatten dieser Drei in dieser Inszenierung noch Akzente zu setzen. Dieses gelingt vor allem Felicitas Heyerick in der Rolle der Lady Milford, die sowohl Verzweiflung als auch neidische Eifersucht bestens vermitteln kann.

Jan Kämmerer gelingt in dieser Aufführung wohl der größte Momente. Als Vater Miller vermittelt erst den duckmäuserischen Konformisten hart an der Grenze zu Clown, um im Moment der höchsten Gefahr Löwenkräfte zu entwickeln um die Brut zu schützen. Schade, dass er scheitern muss. Allein dafür hätte man ihm Erfolg gewohnt, aber die Vorlage gibt es nun mal nicht her.

Die reduzierte Bühne erzeugt keine großen Bilder, aber eben eindringliche. Nicht alle davon sind verständlich wie der Tanz des Sekretär Wurm auf den Tischen oder Milfords Versuch, das Liebespaar im wahrsten Sinne des Wortes zu zerreißen. Aber Lenz Inszenierung dieses Monumentes überrascht mit ihrer Leichtigkeit und das Gesamtpaket aus Klang, Bühne, Kostümierung und starken Darstellern begeistert.        



Domfestspiele #1: Der Spielplan
Domfestspiele #2: Das Stück

Besserwisser #1: Das Werk
Besserwisser #2: Die Kamarilla




Montag, 12. Juni 2017

Wirklich eine Klasse für sich

GSO gastiert bei den Kreuzgangkonzerten

Das Heimspiel war wohl zugleich das Abschiedsspiel. Am Sonntag stellte sich das Göttinger Symphonie Orchester (GS0) unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller im Kloster Walkenried vor. Besonders Solist Timothy Hopkins begeistert mit seinem Cello-Spiel das Publikum. Ohne Zugabe durfte das Ensemble die Heimreise nicht antreten.

Nach dem Loh-Orchester und dem Braunschweiger Staatsorchester war mit dem GSO der dritte große Klangkörper aus der Region zu Gast im Kreuzgang. Überschrieben war das Konzert mit "Klasse! Klassik!" und diesem Anspruch wurde das Orchester wohlauf gerecht.

Den Auftakt machten die Ouvertüre und der "Reigen seliger Geister" aus der Oper "Orfeo ed Euridice" von Christoph Willibald Gluck. Eigentlich kann man nicht besser in einen Klassik-Abend starten, als mit einem Werk, dass das Ende des Barocks einläutete und damit am Übergang zu einer neuen Zeit steht.

Die Streicher dominierten das Programm.
Alle Fotos: tok
Während die Ouvertüre noch von den Blechbläsern dominiert wird, die die aufkeimende Meldik regelmäßig übertönen, zeigt doch im Reigen schon die ganze Brillanz und Vielfalt der Klassik. Musikalische Lebendigkeit gegen musikalische Mathematik lautet das Motto und das GSO kann es bestens umsetzen.

Weich und rund führen die Streicher in die Melodik ein, pass genau setzen die Querflöten dann ein bis der gesamte Klangkörper schwelgt. Diese Leistung ist vor allem dem Dirigat von Christoph-Mathias Mueller zu verdanken. Unaufgeregt und zurückhaltend setzt er die Akzente. Wenn es so etwas gibt, dann ist er eindeutig ein lyrischer Dirigent.

Es ist fast schön eine Symbiose zwischen Leiter und Geleiteten, dass das Publikum an diesem Abend im Kreuzgang beobachten dürfen. Daher ist es um so schmerzlicher, dass der Schweizer das GSO im kommenden Sommer verlassen wird.

Auch das Cellokonzert Nr. 1 C-Dur von Joseph Haydn hat in der Musikgeschichte epochale Bedeutung. Es läutete den Aufstieg  des Cellos zum akzeptierten Solo-Instruments ein. Mit Timothy Hopkins präsentierte Mueller an diesem Abend einen überragenden Solisten. Der junge Emsländer zeigte die gesamte Bandbreite seines Spielgerätes und erntete dafür Szenen-Applaus.

In diesem Programm tobte sich Haydn einst aus und Hopkins kann ihm folgen, von ganz tief unten bis himmelhoch jauchzend. Von den weichen Läufen des Moderato wechselt er übergangslos ins Stakkato, um sich dann wieder ins Gesamtbild einzureihen.

Timothy Hopkins hat recht flinke Finger. 
Hopkins verfügt nicht nur über eine erstaunliche Fingerfertigkeit. Er hat mit 22 Jahren schon die Ausdrucksstärke, um die ihn ältere Kollegen wohl beneiden dürften. Im Adagio liefert ein solo zum Dahinschmelzen ab. Hier ist es nur folgerichtig, dass ihm der Dirigent das Feld komplett überlässt. Hopkins eilt voraus und das GSO folgt ihm. Bei manchem im Publikum wächst die Gewissheit, dass man an diesem Abend einen kommenden Star lauschen durfte.

Ein glückliches Händchen beweißt Christoph-Mathias Mueller mit der Auswahl des dritten Werkes. Das Singspiel "Orpheus und Eurydike" des russischen Komponisten Jewstignej Fomin. Er kontrastiert Gluck mit einem Werk der Hochklassik. In den expressiven und dramatischen Teilen gibt der Dirigent seine Zurückhaltung auf, um bei den ruhigen Passagen wieder Zurückhaltung zu üben.

Auch Fomins Werk zeigt, was Klassik ausmacht. Es steckt voller Lebendigkeit und Ausdruck. Die Streicher und die Holzbläser des GSO können hier brillieren. Überhaupt geht die Klangfülle des Orchester eine hervorragende Synthese mit der Akustik des Kreuzgangs ein.

Schwung und Überschwang zeichnet die Symphonie Nr. 3 D-Dur von Franz Schubert aus. Anders als allgemein angenommen, kann sich der junge Komponisten schon in diesem Frühwerk von seinen Vorbildern Mozart und Beethoven deutlich absetzen. Am Ende wird der Dirigent sagen, dass Schubert durchaus anstrengend sein kann. Aber von dieser Anstrengung profitieren Orchester und Publikum gleichermaßen.




Kreuzgangkonzerte #1: Das Programm

Göttinger Symphonie Orchester #2: Die Website







Sonntag, 11. Juni 2017

Die Geschichte nicht einfach nur weiter erzählt

Comedian Harmonists zum Auftakt der Gandersheimer Domfestspiele

Nach dem Pre-Opening und dem Soft Opening kam nun das Grand Opening. Mit "Comedian Harmonist Teil 2 -Jetzt oder nie" eröffneten am Freitag die Gandersheimer Domfestspiele. Die Inszenierung von Sandra Wissmann erzählt die Geschichte aus der Spielzeit 2015 nicht einfach nur weiter. Sie setzt neue Akzente und weist deutlich über das Dargestellte hinaus.

Für die gelungene Aufführung und die großartigen Leistungen der sieben Darsteller gab es den verdienten Applaus. Erst nach drei Zugaben entließ das Publikum die Darsteller zur Premierenfeier.

Nicht nur weiter erzählt sondern weiterentwickelt. Wie das? Teil 1 bei den Domfestspielen 2015 ließ die Zuhörer im Unklaren, ob es sich eher um Musiktheater oder um ein Konzert mit Zwischentexten handelt. Die Frage kann man an 2017 klar beantworten. Es ist ein Drama, in dem Musik eine große Rolle spielt. Sandra Wissmann legt das Primat eindeutig auf die Darstellung, auf's Erzählerische. Das Unterhaltende muss zurücktreten. Die Instrumentierung ist auf ein E-Piano beschränkt.

Harry Frommermann (rechts) ist gefangen in seinen 

Erinnerungen. Alle Fotos: Hillebrecht
Ausgangspunkt ist der Endpunkt des ersten Teils. Im Herbst trennt sich die erste Boygroup der Welt auf Anweisung der Reichsmusikkammer. Den drei "Ariern" im Ensemble wird verboten, weiterhin mit den drei "Nichtariern" aufzutreten. Collin, Frommermann und Cycowski verlieren ihre Heimat und fliehen mit ihren Frauen nach Österreich. Aber es wirkt immer, was würden sie eine zersprungene Vase nur immer wieder neu kitten.

Wissmann stellt die Frage: "Was geschah danach und was macht solch eine Zäsur aus den Menschen?" Man einig sich, in getrennten Gruppen weiter zu machen. Die "Arier" gründen das Meistersextett und tingeln druch die KdF-Heime, die Exilanten feiern unter dem Namen Comedy Harmonists Erfolge in ganz Europa und dem Rest der Welt. Bis sie der Krieg einholt.

Erste Überraschung: Die "Arier" sind die ersten Verlierer . Die Spannungen in der Gruppe werden immer deutlich und als der Pianist Erich Bootz aussteigt, sind die Meistersinger am Ende. Damit zerbricht der Traum endgültig.

Erzählt wird die Geschichte auf drei Bühnen und zwei Zeitebenen. In der Rolle des alten Harry Frommermann steigt Stephan Ullrich in die Grube seiner Erinnerungen. Umgeben von Tonbändern will er sein Lebenswerk vollenden. Er führt das Publikum in das Geschehen vierzig Jahre zuvor ein.
Anfangs sieht es so aus, als ob es fröhlich
weitergehen kann.

Auf den drei Kleinbühnen erzählt Sandra Wissmann das Geschehen in kleinen und auch größeren Episoden, immer in Gegenüberstellung von Meistersingern und Comedy Harmonists. Die Musik bietet dabei immer den Einstieg in das Geschehen, sie ist, anders als 2015, nicht mehr Träger der Handlung.

Das Bühnenbild von Britta Tönne ist gelungen und einleuchtend. Sie bietet dem Publikum drei Schaukästen in zerstörte Biografien.

Beherrscht wird die Inszenierung vom Wettstreit der Protagonisten Harry Frommermann jung und Robert "Bob" Biberti. Eifersüchtig beäugt man sich au der Ferne. Höhepunkt ist das Aufeinandertreffen beim späteren RIAS. Verweigert Major Frommermann dem Kandiadten Biberti den Aufstieg beim amerikanischen Sender aus Überzeugung oder aus Rache? Beides scheint möglich.

Mit Philipp Nowicki und Dominik Müller sind die beiden Rollen wunderbar passend besetzt. Gerade Müller kann in den Gesangspartien mit einem wunderbar weichen Bass überzeugen. Aber auch ansonsten glänzt die Aufführung mit sieben Darstellern

Manchen bleibt zum Schluß nur Tingetangel.
Alle Fotos: Hillebrecht
Überhaupt ist es erstaunlich, mit welcher Präzision alle Schauspieler die anspruchsvollen Songs meistern. Da scheint nicht nur das Publikum sondern auch die Darsteller sehr viel Spaß an der Musik der Comedia Harmonists zu haben.

Den stärksten Eindruck hinterlässt aber Stephan Ullrich in der Rolle des alten Harry Frommermann. Seine Gestik und seine Sprache machen die Ambivalenz zwischen resigniert und in der Erinnerungen gefangen einerseits und von einer großen Aufgabe beseelt deutlich. Diesem Harry Frommermann ging es wie vielen Exilanten, die nach Deutschland zurückkehrten: Wieder in der Heimat wurden sie nie mehr heimisch.

Auch in der Musik findet er kein Zuhause mehr. Dieses Schicksal teilt er mit Ari Leschnikoff, der später mit Zigeuner-Gruppe durch die Varietes tingelte. Wenn David Schuler in dieser Rolle nicht so sehr den Osteuropäer herauskehr, dann wirkt er sogar noch besser.

Comedian Harmonists 2 erzählt die Geschichte nicht nur weiter, sondern geht auch darüber hinaus, weil die Inszenierung aufzeigt, wie Menschen mit solchen Zäsuren klar kommen, wie sie nach der Katastrophe in eine sonstwie geartete Form der Normalität zurückkehren und warum manchen diese Rückkehr verwehrt bleibt. Damit bietet Sandra Wissmann nicht nur Unterhaltung sonder auch jede menge Nachdenk-Futter.






Gandersheimer Domfestspiele #1: Der Spielplan
Gandersheimer Domfestspiele #2: Das Stück

Comedian Harmonist #1: Der wikipedia-Eintrag

Harzer Kritiker #1: Comedian Harmonists 2015


Donnerstag, 8. Juni 2017

Zwei gegen die ganze Hexenwelt

"Die kleine Hexe" bei den Gandersheimer Domfestspielen

Familientheater soll vor allem eins machen, nämlich Spaß. "Die kleine Hexe" bei den Gandersheimer Domfestspielen erfüllt diese Anforderung. Selbst der härteste Kritiker der Welt ist zufrieden mit der Inszenierung von Sarah Speiser.

Er ist ein wenig in die Jahre gekommen, der Kritiker. Immerhin kann er auf 11 Lebensjahr und vier Jahre Erfahrung als härtester aller Kritiker bauen. Damit fühlt er sich am oberen Ende der hexentauglichen Skala angekommen. Dennoch war er schnell bereit, dass diesjährige Familienstück der Domfestspiele zu bewerten: 4 von 5 Sternen hat er vergeben. Das liegt am oberen Ende seiner bisherigen Bewertungen. Für 5 von 5 Sternen braucht es wohl Eis-Service am Sitzplatz.

Der härteste aller Kritiker ist zurück an alter
Wirkungsstätte. Alle Fotos: Kügler
Aber was hat den härtesten aller Kritiker überzeugt? Es ist wohl die Mischung aus traditioneller Erzählweise und modernem Erzähltempo, garniert einigen Attributen der Pop-Kultur. Dennoch gleitet die Aufführung nicht ab, sondern erhält den Zauber der Vorlage.

Für die Bühne in Bad Gandersheim macht die Inszenierung eine kleinen Kunstgriff. Die Wohltaten der kleinen Hexe werden aus der Rückschau erzählt.  Es ist der Tag vor Walpurgis und die kleine Hexe möchte mit den anderen Hexen endlich auf den Bocksberg fliegen. Im Jahr zuvor war sie erwischt worden, als sie sich dort unerlaubt aufhielt. Nun werfen sie und der Rabe Abraxas einen Blick auf das vergangene Jahr und auf die Wohltaten der Blocksberg-Kandidatin. Dass die großen Hexen sie abblitzen lassen, das ist noch nicht absehbar.

Abgesehen von diesem Kunstgriff verbleibt die Struktur recht traditionell. Auch wenn das Tempo deutlich über der 50er Jahre Gemächlichkeit liegt, bleibt die Gandersheimer Inszenierung weit hinter dem Speed-Michel des letzten Jahres zurück. Selbst die Kleinsten können folgen und das ist wohl das Ziel von Sarah Speiser. Nur in der Hexenrat-Szene kann man ahnen, wie weit das Musical mittlerweile die Freilichtbühnen beherrscht. Das kann man angesichts der sonstigen Stärken leicht verschmerzen.

Der Rabe ist cool.
Bei aller Verbundenheit zu bewährten Kindertheater verschont das Bühnenbild von Debbie Sledens das Publikum mit Hexenhaus-Romantik. Es steht nur das auf der Bühne, was da auch hingehört. somit steht das Spiel der Akteure im Vordergrund.

Ansonsten lebt das Stück auch von vielen Einfällen und lustigen Ideen wie zum Beispiel der Turteltauben-Szene mit Frau Pfefferkorn und Abraxas, die mit einer Ohnmacht endet. Auch die Gruppe der vier Holzweiber weiß Akzente zu setzen und der gelegentliche Klamauk ist altersgerecht. Deswegen gibt es bei der Premiere schon nach 10 Minuten den ersten Szenen-Applaus.

Die  Aufführung lebt aber vor allem von den starken Leistungen von Michael Sikorski in der Rolle des Raben Abraxas und Kristin Scheinhütte in der Hauptrolle.  wo es nötig ist, bremst der Rabe die Hexe, wo es nötig ist, feuert die Hexe den Raben an. Beide verfügen dabei über ein erstaunliches Repertoire an Gestik und Mimik, das sogar auf der großen Bühne vor der Stiftskirche wirkt. Der härteste aller Kritiker fasst es in wenigen Worten zusammen: "Der Rabe ist cool".

Es braucht schon ein paar Holzweiber, um es mit

dem Raben aufzunehmen.
Sie beherrschen den Raum derart, dass schon vier Holzweiber auftreten müssen, um wenigstens ein adäquates Gegengewicht hinzubekommen. Aber das tut der Aufführung keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Scheinhütte und Sikorski haben Spaß an ihrem Tun und den können sie vermitteln. Das ist das zweite Kriterium für ein Familienstück.

Die kleine Hexe ist vor allem eine Mutmachergeschichte. Mit dieser Hexe und mit diesen Raben haben sich zwei gefunden, die es mit der gesamten Hexenwelt aufnehmen könnten und es dann auch tun. Zum  Schluss bringt die kleine Hexe den Mut auf, sich gegen die Gruppe zu stellen, zu der sie doch so sehnlich gehören wollte, und sagt deutlich "So nicht meine Damen und nicht zu diesem Preis". Sie lässt sich nicht verbiegen und behauptet sie ihre Persönlichkeit. Dieses Selbstbewußtsein ist heute genau so wichtig wie im Entstehungsjahr 1957.

Es ist der Verdienst von Kristin Scheinhütte, dass sie auf diese wichtige Entscheidung hinarbeitet und sie den Kindern auch plausibel vermitteln kann. Damit übertrifft sie alle Anforderungen an ein gelungenes Familienstück.




Gandersheimer Domfestspiele #1: Der Spielplan
Gandersheimer Domfestspiele #2: Das Stück

Kleine Hexe #1: Das Werk bei wikipedia



Andere Meinungen vom härtesten aller Kritiker

Der härteste aller Kritiker - Teil eins
Der härteste aller Kritiker - Teil zwei
Der härteste aller Kritiker - Teil drei
Der härteste aller Kritiker - Teil vier
Der härteste aller Kritiker - Teil fünf
Der härteste aller Kritiker - Teil sechs
Der härteste aller Kritiker - Teil sieben
Der härteste aller Kritiker - Teil acht
Der härteste aller Kritiker - Teil neun
Der härteste aller Kritiker - Teil zehn
Der härteste aller Kritiker - Teil elf
Der härteste aller Kritiker - Teil zwölf
Der härteste aller Kritiker - Teil dreizehn



Viel Futter für die Seele

Ensemble choreographiert Freiträume am Theater Nordhausen

Das ist Vertrauen in die Mitarbeiter. Am Theater Nordhausen konnten die Mitglieder der Ballettkompanie einen Abend gestalten. Herausgekommen sind vier Choreographien, die gesamte Bandbreite zeitgenössischen Tanztheaters zeigen. Mut muss ja belohnt werden.

Vortrex

Neun Figuren finden sich wie hingewürfelt auf der Bühne wieder. Sie wirken orientierungslos in einem Stimmengewirr.  Dann bricht ein Unwetter über sie herein. Aus den Individuen wird eine amorphe Gruppe. Eins eint sie: Gekleidet sind sie in die Sorte Nachthemden, die man im Krankenhaus bekommt. Es geht ja auch um Krankheit und deren Auswirkung auf das Leben, auf die Seele.

Krankheit macht alle gleich. 
Alle Fotos: Tilmann Graner
Immer wieder sondern sich Einzelne ab. Es besteht ein Nebeneinander aus Individuum und Gruppe, schnell wechselt es in ein Miteinander und ein Gegeneinander. Trotzdem versinken sie wieder in der wogenden Masse. Krankheit eint. dann kommen andere Solisten zum Einsatz. Die Gruppe fängt sie wieder auf. gibt halt. Die Gruppe wirkt aber auch als Begrenzung. Hier ist eine differenzierte Aussage zum Thema "Ich,du,wir" gelungen.

Aber es geht auch um Äußerlichkeit und Innerlichkeit und die Frage nach Sein und Schein. Das Hirn kontrolliert alles, sogar das Gefühl und auch den Schmerz, erklärt die Stimme vom Band. Aber wie kann man das Hirn kontrollieren? Doch wohl nur mit dem Hirn. Die Tautologie ist da und das Werk begibt sich an den Anfang.

Fließende, langsame Bewegungen bestimmen die Choreographie von Andrea Schuller. Kontrastiert werden sie durch die Hektik der Solisten. Das bringt die Spannung, die bis zum Schluss trägt. er Lohn ist euphorischer Applaus im ausverkauften Theater unterm Dach.

Vortrex

Samuel Dorn verfolgt ein anderes Konzept. Seine Choreographie beginnt tanzlos. Requisiteurinnen bauen eine Nachtbar auf, ein Transvestit betritt als Chefin die Bühne, in Leopardenjacke. In "Underneath my Concealer" werden alle Insignien der Pop-und Trash-Kultur bunt miteinander vermischt.

Samuel Dorn mischt alle Insignien der Pop-Kultur. 
Das gilt auch für das Personal. Neben der Barchefin sind da das Girlie, der Vamp, der Aufreißer, das Muttersöhnchen, stilecht im Pullunder, und die Disco-Queen. Fast wie im richtigen Leben Das macht diese Choreographie so erfischend und außergewöhnlich. Wann darf im Tanztheater schon einmal gelacht werden? Hier auf jeden Fall reichlich.

Doch man darf nicht an der Oberfläche bleiben. Die Qualitäten dieses Stück liegen in der Tiefe. Fast schon genial ist die Einspielung und der Tanz zu Gloria Gaynours "I can't take my Eyes off you". Zum Disco-Feger werden innerhalb von  5:37 Minuten mindestens zwölf Gechichten vom VErlieben, Umwerben, Erhören, Ablehnen und wieder neu verlieben erzählt. Einfach großartig.

Doch mit dem Auftritt von Ayako Kikuchi kommt der Bruch und es geht in das Innerste. Doch  der zweite Teil will nicht so recht zum ersten passen. Versinnbildlich wird es, als die Disco-Gruppe die Solisitn umringt und niederringe, ja gar niederschießen will. Doch zum Schluss müssen alle Masken fallen und der Tisch wird zum kindlichen Rettungsfloß. Assoziationen mit dem "Le Radeau de la Méduse" von Théodore Géricault bestimmen den letzten Eindruck. Die Wendung von der Party zum Untergang ist vollzogen.

When the Mind looks back

Joshua Lowe gelingt ein beeindruckender Kunstgriff in seiner Choreographie. Er installiert ein kollektives Gedächtnis und gibt dem Publikum die Möglichkeit, das Gesehene zu vertiefen und Details zu betrachten. somit wird das flüchtige Erlebnis zu einem dauerhaften Eindruck.

Eine Tänzerin steht solo auf der kargen Bühne, sie spricht mit einem einzelnen Herren. Dann tritt ein zwiter Mann hinzu. Alle sind sportlich-lässig gekleidet. Befinden wir uns in einem Tanzstudio? Auf jeden Fall werden   Assoziationen zu einer Übungssituation geweckt. 

Mann eins tritt in den Hintergrund. Die Tänzerin und ihr Kollege beginnen ihre Arbeit. Ihre Choreographie setzt sich zusammen aus klassischen und modernen Elementen. Lowe verzichtet hier wohl bewußt auf spektakuläre oder sinnüberfrachtete Bilder. Guilia Damiano und Rosario Vestaglio zeigen hier pure Bewegung und den Tanz in seiner elementaren Schönheit.

Dann tritt das Paar ab und eine Leinwand fährt von der Decke herab. Der Beamer projiziert das eben Gesehene auf das weiße Tuch und zwar aus wechselnden, ungewohnten Perspektiven. Totale werden zu Naheinstellungen, die Detailansichten ergeben neue Einsichten. Mit der Videotechnik öffnet Joshua nicht eine sondern zwei neue Dimensionen. Somit trägt er das Verständnis des Tanztheaters ein großes Stück voran.

Das scheint auch die Tänzer zu berühren. Großartig ist das Schlussbild, als Guilia Damiano und Rosario Vestaglio live genau in der Position auf der Bühne stehen wie sie just zu diesem Zeitpunkt auf die Leinwand geworfen werden. Gegenwart und Gedächtnis vermischen sich, die schranken der Zeit werden überwunden.

Spätestens jetzt ist der Moment, ab dem man hofft, dass der Abend noch lange dauert wird. Man läuft Gefahr, süchtig zu werden nach immer Bildern, nach neuen Anregungen und Denkanstößen, nach immer neuen Wooowww-Momenten. Man kann in das Gesehene versinken, denn diese Tanztheater ist vor allem Futter für die Seele.

Auch die Wahl der Studiobühne als Aufführungsort ist gelungen. die räumliche Begrenzung ermöglicht die Konzentration auf die Tanzenden. 

mOB

Die Choreographie von David Nigro erzählt eine klare Geschichte. Es geht um Herrschaft und Rebellion. Die Geschichte erinnert ein wenig an Macbeth und Geschichte hat ein gutes Ende, zumindest für die meisten. 

Die Choreographie ist bestimmt vom Gegeneinander der vierköpfigen Gruppe gegen einen Einzelnen. Eine Deutung seiner Person als Theaterdirektor oder auch als Familienvater ist zulässig. Deutlich ist nur, dass seine Position ihn nicht zum Besseren wendet.

Ähnlich wie in "Vortrex" wird die Dichotomie durch Bewegung deutlich. Hier die fließende wallende Masse, dort das hektisch agierende Individuum. 

Auch dieser Kammertanzabend macht deutlich, welchen Entwicklungssprung das Tanztheater in Nordhausen unter Ivan Alboresi genommen hat. Auf jeden Fall ist die Vorfreude auf die Ballettgala bei den Schlossfestspielen in Sondershausen groß.





Theater Nordhausen #1: Der Spielplan
Theater Nordhausen #2: Das Stück

Schlossfestspiele # 1:  Sternstunden. Die Thüringer Ballettgala