Dienstag, 12. September 2017

Mehr als schöne Bilder

Ein Telemann-Ballett am Theater für Niedersachsen

Lauter Amateure und trotzdem ein ambitioniertes Tanzprojekt. Kann das klappen? Ja, das kann. Dies zeigt zumindest der Ballettabend "Kann man das tanzen?" des Theaterpädagogischen Zentrum Hildesheim am Theater für Niedersachsen.

250 Jahre ist Georg Philipp Telemann nun also schon tot. Das muss man irgendwie feiern. Also ist das Tanztheater zu Telemanns "Auferstehung und Himmelfahrt" der Hildesheimer Beitrag zum Gedenkjahr. Ohne seine Hildesheimer Erfahrungen und die Förderung vor Ort wäre Telemann wahrscheinlich nie Profi-Musiker geworden. Da entbehrt es nicht einer gewissen Spitzfindigkeit, ihm mit einem Amateurprojekt zu ehren.

Grundlage des Oratoriums "Auferstehung und Himmelfahrt Jesu" ist ein Libretto von Karl Wilhelm Ramler, das in die empfindsame Phase fällt. Durch Telemanns eigene Dramatik erfährt es eine deutliche Aufwertung, die durch filigrane Tonstrukturen kontrastiert und aufgebrochen wird. Nicht umsonst gilt er damit als musikalischer Maler. Weil er sich von den Vorgaben der Lehrmeister löste, ist er ein wichtiger Impulsgeber für die Barockmusik.
Doch, die können tanzen. Foto: Harald Kiesel

Mit den zahlreichen Rezitativen und Unterstreichungen und Wiederholungen schafft Telemann hier eindrucksvolle Stimmungen. Die Capella Principale unter der Leitung von Jochen M. Arnold schafft es, eben diese feinen Strukturen hörbar zu machen und eben auch jene ganze Vielfalt in diesem einen Werk zur Geltung zu bringen.

Besonders die Streicher mit Miriam Risch und Constanze Winkelmann begeistern mit einem klaren Spiel. Gleiches gilt für Brian Berryman und Marion Schack an den Flöten. Aber das Ensemble überzeugt vor allem mit einer klaren Mannschaftsleistung.

Dagegen geraten die Solisten von Gli Scarlattisti leider manchmal in den Hintergrund. Gelegentlich fehlt es einfach an Volumen. Nur im Chor können sie durchgängig durchdringen.

Überraschend gut sind die vierzig Laientänzer. Die Choreographie ist eine Gemeinschaftsproduktion von Uta Engel, Judith Hölscher und Nicole Pohnert. Sie wissen die Fähigkeiten und Mittel ihrer Darsteller genau einzusetzen, denn von Amateuren kann man einfach keine passgenauen Pirouetten und Spitzentanz erwarten. Also verbleibt die Choreographie zumeist am Boden und baut auf die Ausdrucksmittel des Modern Dance. Gerade die Massenszenen sind ausdrucksstark und eindrucksvoll.

Der Heilige Geist wird ausgeschüttet.
Foto: H. Kieser 
Dennoch entstehen beeindruckende Bilder. Schon der Einstieg mit dem Zug der Zahllosen durch den Bühnennebel sorgt für das erste Staunen. Fast unbemerkt wird der leichnam Jesu Christi im Hintergrund über die Tanzfläche getragen. Man muss also durchaus auf die Details achten.

Überhaupt ist das Lichtdesign von Jörg Finger ein bestimmender Teil der Inszenierung. Er setzt nicht nur Punkte, sondern macht das Licht sogar zum Handlungsträger.  Tänzer und Licht treten mehrfach in einen Dialog, so bei der Ausschüttung des heiligen Geistes.

Ohne Solisten baut die Choreographie vor allem auf die Mannschaftsleistung und gemeinsam hinterlässt das Ensemble bleibende Eindrücke. Dabei setzten sie auf eine verständliche Sprache und nachvollziehbare Aussagen. Der Reiz dieser Choreographie liegt in der Konzentration auf die einfachen Mittel. Das wird besonders nach Arie 4 und der Öffnung des Grabes deutlich.

Was aber so einfach erscheint, ist bis ins Detail durchdacht. Mit ihrer Ausstattung und dem Kostümwechsel unterstreicht Anne-Katrin Gendolla den Wandel von der tieftraurigen Grablegung an Ostern zur optimistischen Zusammenkunft der elf überlebenden Jünger zu Pfingsten.

Auch wenn es ein Abend der Smartphones und mitfilmenden Verwandten war, haben sich alle Beteiligten den tobenden Applaus verdient.




Darsteller #1: Das TPZ Hildesheim
Darsteller #2: Das Projekt

Gastgeber #1: Das Theater für Niedersachsen

Der Komponist #1: Georg Philipp Telemann bei wikipedia
Der Komponist #2: Die Zeit in Zellerfeld und in Hildesheim


 



Dienstag, 29. August 2017

Einfach kolossales Theater

Das Théâtre La Licorne überwältigt mit Spartacus

Dieses Stück sprengt alle Ketten. Mit "Spartacus" zeigte das Théatre La Licorne ein Werk, dass die Grenzen zwischen den Genres aufhebt. Es ist ein wenig Oper, ein wenig Pantomime und auch Figurentheater. Aber vor allem ist es ein Stück, das optisch und inhaltlich überwältigt und Bilder produziert, die in Erinnerung bleiben.

Ausgangspunkt ist eine historisches Ereignis. Im Jahre 73. v. Chr. führt der Gladiator Spartacus einen Aufstand von Sklaven an, der die späte römische Republik an den Rand ihrer Existenz bringt. Schließlich findet diese Revolte auch unter den verarmten Freien seine Anhänger und wendet sich so gegen das System. Doch nach taktischen Fehlern und nach Verrat siegt zum Schluss die römische Übermacht.

Erzählt wird diese Geschichte der Hoffnung und des Scheitern in sieben Szenen, die monumental sind und voller Anspielungen und voller Symbolik stecken. die aber doch auch eine eigen Lyrik, Komik  und Poesie zeigen. Seit 28 Jahren beschäftigt sich die Kompagnie mit Figurentheater und mit Objekttheater. Es scheint, als sei "Spartacus" zum einen der Extrakt der Erfahrungen. Zum anderen ist es ein klares Konzept voller bezaubernder und überzeugender Ideen und Einfälle.

Dies beginnt mit der Spielstätte, die das Ensemble selbst mitbringt. Gespielt wird in einer Miniaturversion des Kolosseums. Links und rechts der Portale finden etwa 150 Zuschauer auf Holzbänken in drei Reihen Platz. Die Enge steigert die Intensität des Spiels. Niemand kann sich dem Treiben entziehen und phasenweise wird das Publikum Teil der Darstellung.

Riesig groß trifft auf winzig klein.
Foto: Théâtre La Licorne
Wie einer römischen Arena  üblich, ist der Boden mit Sand bedeckt. Im Laufe der Aufführung wird er mit reichlich Theaterblut getränkt. Senator Crassus betritt den Portikus und die Spiel können beginnen. Er singt das Lied vom Glanz Roms und zum Ausruf  "panem et circenses" wirf er Brot ins Publikums. Nicht jeder im engen Rund versteht dies.

Bisher konventiolles Schauspiel betreten nun die Wagenlenker die Szenerie und führen ein neues Element ein: Die Figuren. Sie schieben Blechmodelle von Streitwagen vor sich. Es quietscht und rappel und dreht sich doch. Überhaupt ist die Optik dieser Inszenierung vom Eisen bestimmt, dem Werkstoff, auf dem das römische Imperium gebaut wurde.

Das erste "Oh" gibt es beim Kampf des Gladiators gegen den Löwen. Der Kämpfer ist eine winzige Figur, hinter dem Löwen stecken zwei Darsteller. Es schleppert und klirrt und trotz des spröden Material entwickelet sich ein rasantes Spiel. Der  Gladiator fällt und steht wieder auf. Er kämpft um sein Leben, dabei es ist von Anfang an klar, dass er nicht gewinnen kann. Da können noch so viele Daumen im Publikum nach oben gehen, Crassus hat entschieden, dass der Mann sterben muss.

Spartacus muss gegen den Elefanten kämpfen und das technische Erstaunen darüber, welche Dimensionen und welche Beweglichkeit in solch einer Figur stecken kann, wird von der Verzauberung über die Ausdrucksstärke dieser Mischung begleitet. Damit kann das Ensemble sogar komische Momente erzeugen. Dazu sicherlich Szene zwei, als die Senatoren in der Therme die Geschäfte des Staates untereinander aushandeln. Dabei die Kompagnie kann auch Momente tiefer Verzweifelung darstellen, als das Heer der Sklaven dem Hungertod ausgeliefert scheint. Das Publikum ist einen Wechselbad aus Lachen,. Mitleid, Staunen und Erstarren ausgesetzt. Unberührt bleibt niemand.

Auf alle Fälle ist jeder Moment ein Moment voller Bilder, die beeindrucken und bleiben. Es ist auch ein Spiel mit Symbolen, die gedeutet werden müssen. Immer wieder tauchen Vögel in unterschiedlichen Gestalten auf. Sie stehen für Hoffnung, römischen Aberglauben, aber auch für das römische Herr. Wer die Zeichen lesen kann, hat mehr davon. Man muss es aber auch nicht.

Die Syrer ziehen ihre Schiffe zurück, damit ist die
Niederlage besiegelt. Foto: Théâtre La Licorne
Und dann sind da Hunderte von Füßen, die für die zahllosen Sklaven stehen. Als Spartacus sie auf einem breiten Band durch die Arena in die Freiheit führt, herrscht Schweigen im Rund. Betretenes Schweigen herrscht, als der römische Feldherr nach der Spartacus'  Niederlage diese Füße im blutgetränkten Sand entsorgt und die Überlebenden die Überreste entsorgen müssen, um den Siegern den Weg zu bereiten.

Die Inszenierung verzichtet weitestgehend auf das gesprochene oder gesungene Wort und dort wo es zur Geltung kommt, ist es französisch, logisch. Für die Aufführung in Northeim wurden deutschsprachige Sprengsel eingestreut. Darauf hätte man verzichten können, denn die Darstellung ist so eindeutig und eindrucksvoll, dass man sie auch im Original verstünde.Jede Szene wirkt, weil sie reduziert und damit wirken lässt. Was fehlt, dass darf sich das Publikum dazudenken

Es ist diese Mischung aus einfachsten Mitteln, Symbolen und ausgereifter Technik, die so archaisch erscheint, die dieses Werk so eindrucksvoll macht. Schließlich geht es ja um etwas ganz archaische Dinge: Die Freiheit und die Würde des Menschen und der Kampf gegen Unterdrückung. Damit ist es kein Historienstück, sondern eine Inszenierung, die immer aktuell bleiben wird. Als Crassus sich im Gehen an das Publikum und fragt, ob hier noch ein Spartacus anwesend sei, schwillt der Kloß im Hals blitzartig an.





Theatre La Licorne #1: Die offizielle Website
Theatre La Licorne #2: Spartacus - das Stück

Theater der Nacht #1: Die offizielle Website

wikipedia #1: Spartacus - die Biographie
wikipedia #2: Der Aufstand




Montag, 14. August 2017

Musik einfach fantastisch

Staatsorchester Braunschweig verzaubert das Theaternatur-Festival



Ein Sinfonieorchester auf der Waldbühne in Benneckenstein. Kann das funktionieren, kann das überhaupt klingen? Ja, das kann und am Sonntag hat es wunderbar funktioniert und zauberhaft geklungen. Mit dem Konzert „Hexenwerke“ verzauberte das Staatsorchester Braunschweig das Publikum beim Theaternatur-Festival. Alle widrigen Umständen zum Trotz.

Die bestanden einzig im Wetter. Zum Konzertbeginn waren die Temperaturen derart in den Keller gerauscht, dass das Ensemble um die wertvollen Instrumente fürchtete. Deswegen wurde das Programm umgestellt und gekürzt. Das Wetter war wohl auch für den überschaubaren Zuspruch verantwortlich. Um eine Floskel zu bemühen: Jeder, der nicht da war, hat was verpasst.

Die technische Frage zuerst: Im Klangbild gab es keine Abstriche. Ganz im Gegenteil. Auf der Naturbühne unter dem Blätterdach gibt es nichts, was mitschwingt, verstärkt oder ablenkt. Es ist ein puristischer und klarer Klang, der das Publikum von Anfang an in den Bann zog.

Leider war das Gast-Musiker-Verhältnis fast 1:1.
Fotos: Kügler
Anders als angekündigt macht die „Fantastische Sinfonie“ von Berlioz den Auftakt. Bevor die Temperaturen eine Aufführung endgültig verhindert, will das Ensemble das Hauptwerk des Abends vollendet haben.

Die "Symphonique fantastiue" ist ein revolutionäres Werk, dass an der Schwelle zwischen Romantik und Programm-Musik steht. Der Romantik bleibt es mit seinen traumhaften Themen verhaftet, in die Programm-Musik gehört die durchgängige Geschichte, die der Komponist hier erzählt.

Mit diesem Werk hat Hector Berlioz nicht nur das Leitthema in die Musik eingeführt. Immer wieder taucht die "Idée fixe",  hier als die Geliebte, in zahlreichen Variationen auf, bis sie verzerrt in einem gigantischen Finale im Wahn zerfällt. Der Traum ist ausgeträumt und am Ende bleibt eine schale Tanzweise.

Berlioz hat auch den Klangraum des Orchesters erweitert und das Ensemble zum Akteur gemacht. Der Klarinettist wird die Bühne verlassen, um den Dialog der Hirten sichtbar zu machen. Vier Pauken kündigen das Unheil an, Glockenspiele symbolisieren das kalte Metall des Fallbeils. Mitte des 19. Jahrhunderts war dies eine Revolution. Der Franzose nimmt vieles vorweg, was man leichtfertig Richard Wagner zuschreibt.

Ein Ensemble muss schon ein gesundes Selbstbewusstsein mit sich bringen, um sich der Herausforderung „Fantastische Sinfonie“ zu stellen. Das Werk stellt höchste technische Anforderungen an die Musiker, vor allem an die Streicher. Tempi-Wechsel reihen sich aneinander und erfordern auch schnelles Umschalten im Spiel.

Streicher und Bläser befinden sich im ständigen Dialog. Für die Laien kommen die Übergänge plötzlich, immer wieder tun sich neue Perspektiven auf. Alles klappt brillant. Dirigent Christopher Hein hält das Tempo hoch und trotzdem überfährt er das Publikum nicht. Alles bleibt transparent und erhörbar.

Die Dunkelheit verwandelte die Waldbühne in einen
mystischen Ort.
Es ist geht nicht nur um Technik. Trotz der erdrückenden Thematik und des monumentalen Finales ist Sinfonie ein Werk, dass von einem filigranen Klangbild geprägt ist. Die Dominanz der Streicher ist gebrochen und andere kommen auch zu ihrem Recht. Mit immer wieder überraschender Instrumentierung öffnet Berlioz Klangräume, die es zuvor nicht gegeben hat.

Diese Durchmischen der musikalischen Farben erledigt das Staatsorchester mit meisterlicher Hand. Es scheint, was ob jeder Ton, und sei er noch so klein, zur Geltung kommt. Dies wird mit Applaus nach jedem Satz reichlich belohnt. Natürlich gibt es viel Beifall zur Pause.

Damit hatte das Publikum das Ensemble wohl weich geklopft. Denn trotz weiterhin fallender Temperaturen spielte es noch die Ouvertüre zum Freischütz, wohl der deutschesten aller Opern. Das Staatsorchester Braunschweig setzte seine Meisterleistung aus dynamischen Spiel und transparenten Klangbild fort.

Vielleicht war diese Reihenfolge sogar die bessere Variante. Denn die mythengeladenen Musik von Weber ging nur eine Symbiose mit der Nacht, die die Waldbühne in Dunkelheit tauschte. Das Scheinwerferlicht formte das Blätterdach zur Höhle und die Lichtinstallationen im Wald erweiterten die Spielfläche optisch. So entstand ein audio-visuelles Gesamtwerk, das durch auch den Titel "Hexenwerk" verdient hat.

Unabhängig von der Musik machte sich die Fantasie eines jeden Zuhörer allein auf die Reise. Geplant oder nicht, ergaben sich Bilder, die in Erinnerung bleiben werden. Geplant oder nicht, aber zum Träumen und Nachdenken anregen, das ist kulturelle Höchstleistung.


Damit das Publikum aber mit dunklen Gedanken den Heimweg durch den finsteren Forst antreten musste, gab es spontan als Zugabe von einen Strauß-Walzer oben drauf. Soviel Abweichung muss sein.    







Theaternatur-Festival #1: Die offizielle Website
Theaternatur-Festival #2: Der Auftritt bei facebook



Staatsorchester #1: Die offizielle Website
Staatsorchester #2: Der Eintrag bei wikipedia
Staatsorchester #3: Die Braunschweiger im Kloster Walkenried








Dienstag, 8. August 2017

Eine ziemlich genaue Studie



Liebetruth inszeniert eine beklemmende Hexenjagd

Dem Status des Geheimtipps ist das Theaternatur-Festival in Benneckenstein längst entwachsen. Jetzt setzt Leiter Janek Liebetruth noch eins drauf. Mit "Hexenjagd" von Arthur Miller legt er als Regisseur eine großartige Inszenierung vor. Ihm gelingt es zum Kern der Massenhysterie vorzudringen. Wenn es so weiter geht, dann wird das Festival auf der Waldbühne bald zum Pflichttermin für zeitgenössisches Theater.

Miller veröffentlichte sein Werk über eine Massenhysterie in Neuengland 1692 im Jahre 1953. Damals wütete in den USA der Ausschuss für unamerikanische Untriebe unter dem Senator Joseph McCarthy. Künstler, Intellektuelle und Gewerkschafter standen unter dem Generalverdacht, Propaganda für die kommunistische Partei zu betreiben. Viele angeklagte wanderten ins Gefängnis, selbst Größen wie Charlie Chaplin wurden aus dem Land getrieben.

Mit "Hexenjagd" übte Miller deutliche Kritik an der Zeit. Die Parallelen zu jenen berüchtigten Prozessen im puritanischen Neuengland des 17. Jahrhunderts  waren offensichtlich. Neid und Missgunst und eine Verleumdung reichten aus, um unbescholtene Menschen auf das Schafott zu bringen und Familien ins Elend zu stürzen.

Liebetruths Inszenierung macht deutlich, dass es die Zeit nicht die Rolle spielt. Es braucht nur eines Klimas der Verunsicherung und der Angst, um Dinge in Gang zu setzen, die schnell außer Kontrolle geraten. Ob nun 17., 20. oder 21. Jahrhundert, die Mechanismen sind die gleichen. Goethes Weisheit von den Geistern, die man rief, drängt sich auf.

Nathaniel ist eine begnadeter
Einschmeichler. Fotos: Schabert
Personifiziert ist dieser Kontrollverlust in der Rolle von John Hale. Vom Hexenverfolger wandelt sich der Pastor zum Bremser, doch der Zug ist schon zu schnell, um noch gestoppt zu werden. MIt ihm scheitert der gesunde Menschenverstand und die christliche Barmherzigkeit.

Treffend verkörpert wird Hale von Gerrit Neuhaus. Letztes Jahr noch als Wüterich in Schillers Räubern unterwegs, setzt er in dieser Aufführung vor allem die leisen Töne. Mit zurückhaltenden Gesten, schmalen Körper und gezielter Sprache sorgt er für die Achtsamkeitsmomente in dieser Inszenierung. Jedes Wort ist wohl gesetzt und wichtig.

Überhaupt ist diese Inszenierung Sprechtheater im besten Sinne. Liebetruth legt den Schwerpunkt auf das gesprochene Wort und verzichtet auf Aktionismus. Selbst in den dramatischen Szenen erspart er dem Publikum überflüssige Hektik. Damit setzt sich diese Inszenierung einen Kontrapunkt zu den hyperaktiven Räubern des Vorjahres.

Überhaupt zeigt sich Liebetruth als Meister der Raumaufteilung. Jeder steht dort, wo er oder sie hinzugehören scheint. Die Darsteller gliedern den großen leeren Raum, sie schaffen Übersicht und Fronten und positionieren sich wie die Figuren eines Schachspiels.

In diesem Spiel kommt John Proctor die Rolle des weißen Königs zu. Wertefest und linientreu wird er von Philip Wilhelmi auf die Bühne gebracht. Die selbstbewusste Haltung mit raumgreifenden Gesten wird im Laufe der Aufführung immer kleiner und der Zusammenbruch in der vorletzten Szene macht seine Niederlage um so deutlicher. Nur die feste Stimme steht noch für die Überzeugung.

In der Rolle das Nathaniel Williams ist Karl Schaper Gegenpol und Widerpart. Mit dem Austausch der Abigail durch eben jenen Nathaniel zieht Liebetruth ein zusätzliche dramatischen Ebene ein. Die homoerotische Beziehung zwischen Proctor und Williams verleiht dem Stück wieder jene Brisanz, die es einst in den prüden 50-er Jahren hat. Zudem wird das Dilemma, vor dem Proctor steht, noch umso größer und seine Beichte echter. Doch dieser Befreiungsschlag geht ins Leere.

Aber der junge Mann ist alles andere als ein Sympathieträger und Schaper kann dies bestens umsetzen. Unsteter Blick, eingezogene Schulter und eine Stimme stets an der Grenze zur Hysterie zeigen die Anspannung des Intriganten, der weiß, dass er Falsches tut aber nicht anders kann.
Die Beziehung von John Proctor und Nathaniel
Williams ist nicht konfliktfrei. Fotos: Schabert

Das Bühnenbild von Hannes Hartmann wirkt auf den ersten Blick recht reduziert: Ein grau-braune Spielfläche, die mit einen weißen Keil asymmetrisch geteilt ist. Darauf lediglich ein paar orange Plastikstühlen, ein Tisch und ein Schreibtischsessel. Wer diesen besetzt, der ist im Besitz der Macht, hat das Heft des Handelns in der Hand.

Die Rückwand dient als Projektionsfläche für Twitter-Kommentare und Fake-News. Das Internet ist vom Vorreiter der Aufklärung in den 1990-er Jahren zur Hetzmaschine der 2010-er Jahre geworden. Liebetruth macht die Motive und Mechanismen der Verleumdung deutlich und zeigt, dass die Postmoderne noch perfidere Mittel als die Vergangenheit.

Diese Rückwand trägt wesentlich zur Dramatisierung bei. Nach dem ersten Akt rückt sie nach vorne, verengt den Spielraum deutlich und sorgt für Beklemmung. Gleiches gilt für den Schluss des zweiten Aktes, es wird noch enger. Als Ende der Aufführung die Situation außer Kontrolle gerät, steht die Rückwand der Rampe und schubst Darsteller und Requisiten in den Abgrund. Einfach ein starkes Bild.








Das Festival #1: Der Spielplan
Das Festival #2: Das Stück

Arthur Miller #1: Die Biografie
Arthur Miller #2: Die Hexenjagd

Zeitgeschichte #1: Die McCarthy-Ära
Zeitgeschichte #2: Salem 1692

Samstag, 5. August 2017

Rock gegen Rheuma und Selbstmitleid

Stefan Gwildis und Band bringen Kloster zum Kochen

Das Rennen ist gelaufen. Zwei Stunden begeisterte Zuhörer, euphorische Fans und Klatschen als Daueraufgabe. Der Titel "Konzert des Jahres 2017" bei den Kreuzgangkonzerten geht eindeutig an Stefan Gwildis und Band. Alles, was vorher war, und alles, was noch kommen wird, muss sich wohl mit Platz zwei zufrieden geben.

Angekündigt war ein Programm aus dem aktuellen Album "Alles dreht sich". Seit dem Durchbruch mit "Neues Spiel" 2003 ist dies sicherlich die ruhigste Produktion, Gwildis in Moll gewissermaßen. Wer nun befürchtet hatte, einen besinnlichen Abend im Klostergarten zu verbringen, sah sich gleich zu Anfang arglistig getäuscht. Vom ersten Takt an war Dampf auf dem Kessel und schon beim Intro führte das Publikum die Handflächen rhythmisch und hörbar zusammen.

 Gwildis trägt den Stempel "Deutschlands bester Soulman". Doch das ist ein unzulässige Reduktion. Schon das Intro ist Funk im Stil der späten 70er und der 80er Jahre. Ein fetter Bass in Slap-Technik, dazu eine Percussion mit einer treibenden Snare-Drum, darüber ein Keyboard, dass Bläser imitiert und eine Gitarre, die die Melodie übernimmt. So einfach ist das.

Dieser Mann hat jede Menge Spaß und sein Publikum
mit ihm. Fotos: Kügler 
Natürlich gibt es an diesem Abend noch Soul, jede Menge sogar. Aber es wird auch Jazz geben und Blues und Rock und Bossa Nova und Samba. Ja, richtig gelesen: Samba. Überhaupt ist das Intro zu "Na ja, Na ja" einer der Höhepunkte des Abends. Dann erzeugt die fünffache Percussion einen solchen treibenden Rhythmus, dass sogar die berüchtigte Sambaschule der Ufa-Fabrik hier noch etwas lernen könnte. Gwilidis' Scat Einlage beim "Wenn der Mond über Hamburg" verdient immerhin 8 von 10 Punkten auf der Al-Jareau-Skala. Im Interview wird er später sagen, dass dies für hn alles irgendwie Soul ist. Ist ist beseelte Musik und es ist Musik, die an die Seele geht. In diesem Sinne hätte er im Klostergarten auch auf dem Kamm blasen können, die Fans wären trotzdem völlig elektrisiert gewesen.

Als Gwildis die Bühne betritt, heizt  die Stimmung gleich noch einmal zwei Stufen auf. Mit "Pollerhocken" bleibt das Tempo weiterhin hoch. Der Song hat einen hohen Mitsing-Faktor, dem die Zuhörer erliegen. Wer den Text  und Stefan Gwildis spielt einen auch gleich mit dem Publikum. Mehrfach wird es den berühmten  Ah-Oh-Yeah-und-Dubbido-Wechsel zwischen dem Mann auf der Bühne und den Menschen auf der Tribüne geben. Beim Intro zu "Der Einsame" von Heinz Erhardt erhebt er das Spielchen zur Kunstform.

Er ist nicht nur ein beseelter Musiker und Sänger, sondern auch ein begnadeter Entertainer. In der Kategorie "Rampensau" spielt Stefan Gwildis einfach in einer eigenen Liga.  Da gibt es keine Barriere zwischen Bühne und Tribüne und wenn er den Zuhörern das Du anbietet, ist das echt. Schließlich ist man an diesem Abend eine Feiergemeinde und in diesem Sinne sind eben alle Brüder und Schwestern. Es ist nicht wichtig, wer man ist oder woher man kommt. Wichtig ist, dass man da ist, so heißt es doch bei Martha & The Vandellas und im Klostergarten ist es an diesem Abend das Glaubensbekenntnis.

Marc Awounou beherrscht alle Spiel-
arten der 
populären Musik
Vor allem zeigt sich Gwildis gut vorbereitet. Er kennt die Ortsnamen in der Umgebung, weiß, wo Ellrich liegt. Das Publikum fühlt sich geschmeichelt. Aber vor allem haben er und die Band einen Walkenried-Love-Song-Blues im Gepäck. Fleißig lobt es das besondere Ambiente im Klostergarten. Das wirkt nicht wie Schmeichelei sondern wie ein echtes Statement.

Egal ob Achim Rafain am Bass oder Tobias Neumann an den Tasten oder Drummer Martin Langer, jeder der Musiker bekommt an diesem Abend mindestens einmal die Chance im Rampenlicht zu stehen. Jeder nutzt sie. Gitarrist Marc Awounou gleich mehrfach. Stefan ist eben ein echter Kumpel und deswegen lässt er jeden den Platz, den dieser braucht.

Deswegen kann sich bei "Tanzen übern Kiez" die männliche Hälfte des Publikums durchaus vorstellen, mit ihm über die Reeperbahn zu ziehen. Die weibliche Hälfte träumt sogar davon. Gwildis hat eben jenen Charme des ewigen Jungen und jede Menge Street Credibilty. Jeder Zuhörer kennt natürlich seine abwechslungsreiche Biografie.

Seine Themen sind Liebeskummer, das Leben überhaupt und seine Höhe und Tiefen, das Hinfallen und Wiederaufstehen und von der Freude an der Musik. Er singt vom Liebesrausch und von Scheidung, von Nutten und Schlägern und den Vollmondnächten in Hamburg. Im Südharz hat das natürlich einen Exotenbonus.

Trotz aller Nackenschläge hat Gwildis den Optimismus nicht verloren. Gwildis und seine Fans können nichts anfangen mit dem Selbstmitleid der Generation Y-ammerlappen. Seine Ratschläge sind einfach: Lass den Kopf nicht hängen, bleib einfach Mensch und mach immer mal was Neues. In "Eine Handvoll Liebe" findet diese Rezept seine musikalische Fassung.

"Mach man wie du meinst, aber geh den anderen nicht auffen Sack, dann komm' wir miteinander längs", ist die klare Essenz. Da steckt jede Menge Gelassenheit, aber auch Optimismus hinter.

Aber jetzt heißt es Spaß haben und den haben Musiker und Publikum, egal ob es bluest oder swingt oder soult. Das Programm ist eine Zusammenstellung aus den Alben der letzten Jahre und die Zuhörer werden fast immer zu Mitsängern. Die Bestuhlung im Klostergarten hat an diesem Abend eher eine dekorative Aufgabe. Man hätte sie auch abbauen können, denn das Publikum verbringt den größten Teil des Abends stehend und mitwippend.

Das Publikum ist geprägt von der Generation Ü 50 und damit ist der Abend wohl die größte "Rock gegen Rheuma"-Aktion, die es je in Südniedersachsen gab. Die Therapie wirkt sofort. Musikalisch gedopt tänzeln sich Musiker und Publikum locker bis zur Pause.

Manchmal ist weniger mehr.
Foto: Kügler
Ein Mikro, ein E-Piano und zwei Männer. Das zweite Set beginnt mit einem deutlichen Cut. Nur Stefan Gwildis und Tobias Neumann stehen auf der spärlich beleuchteten Bühne. "Keines Menschen Auge" heißt ihre Coverversion von Lucio Dallas "Caruso". Dieser Songs muss Gwildis was bedeuten, es ist einer wenigen, die hart an der Vorlage bleibt. Beim Solo von Neumann kann man hören, wie die berühmte Nadel fällt. Es ist tiefste Traurigkeit, gegossen in 7 Minuten 35 berührende Musik.

Doch der Kloss im Hals löst sich auf und das Konzert windet in die Spaß-Spur zurück. Schon beim "Heute ist der Tag" wird fleißig geschnippt und geklatscht. So geht das weiter bis mit das Programm mit "In meiner Kathedrale" furios ausklingt. Doch die Fünf unternehmen erst gar den Versuch, die Bühne zu verlassen. Die Zugabe ist Pflicht. Schon als "Papa will da nicht mehr wohnen" angespielt wird, kocht der Klostergarten endgültig. Vier Instrumentalisten und ein Sänger machen bei dem Tempations-Klassiker so viel Druck und Dynamik wie sonst nur eine große Besetzung mit Bläser-Sektion.

Aber alles Doping nutzt nichts. Auch das schönste "Rock gegen Rheuma" ist irgendwann zu Ende. Nach der dritten Zugabe trennen sich Musiker und Publikum gütlich. Müde aber glücklich. Selbst ein Schlipsträger lässt sich zu der Aussage "Mein Gott, war das geil" hinreißen. Das einzige, was an diesem Abend fehlte, war die Gwildis-Hymne "Sie ist so süß, wenn sie da liegt und schläft". Aber die wird das Publikum bestimmt beim nächsten Auftritt im Klostergarten einfordern.    




Gwildis #1: Die offizielle Website
Gwildis #2: Der Eintrag bei wikipedia

Gwildis #3: Glücklich sein in Herzberg im Herbst 2014
Gwildis #4: Glücklich sein in Göttingen im Frühling 2014

Gwildis #5: Das erste Interview mit dem Harzer Fragensteller
Gwilids #6: Das zweite Interview mit dem Harzer Fragensteller



Kreuzgangkonzerte #1: Die Website
Kreuzgangkonzerte #2: Der Auftritt bei facebook

Kreuzgangkonzerte #3: Das Programm





Freitag, 21. Juli 2017

Pinocchio entsäuert

Collodis Kinderbuch auf der Bühne in Hall

Der härteste aller Kritiker war im Auslandseinsatz. Auf dem Plan stand das Familienstück "Pinocchio" bei den Freilichtspielen in Hall. Die Inszenierung im Theaterzelt nimmt der Vorlage reichlich Moralin. Doch aus Altersgründen fällt das Urteil des härtesten aller Kritiker verhallten aus. Er fühlt sich wohl zu alt.

Dabei hat Max Merker der Vorlage reichlich Schwung und einen neuen Rahmen gegeben. Entsprechend des Aufführungsortes Theaterzelt macht er aus der Geschichte einer rasante Revue. Er verpasst dem Kinderbuch noch einmal einen ordentlichen Schwung und schafft es so, Collodis Werk die stellenweise Langatmigkeit zu nehmen. Zudem macht die neue Darstellung die Älteren neugierig und den Jüngeren nimmt es etwaige Berührungsängste

Dabei kann nicht nur Tina Haas als Conferencier glänzen. Selbst wenn Kinder nicht wissen, wie man dieses Amt auszufüllen,jetzt wissen sie es: Großspurig und raumgreifend und ein wenig selbstironisch, so muss das sein.

Tina Haas ist als Conferencier einer von zwei Stützen
dieser Inszenierung. Alle Fotos: J. Weller
Ansonsten hat Merker die Zahl der Protagonisten auf das Minimum, auf die Handlungsträger, reduziert. Das dient der Übersichtlichkeit und somit der Rezipierbarkeit. So macht ere aus dem umfangreichen Vorlage ein Stück, dass der Konzentrationsspanne des Publikums durchaus entspricht.

Überhaupt glänzt die Inszenierung vor witzigen und frechen Einfällen und Ideen, die spontan wirken. Die Startszene, in der der Holzklotz gespalten werden soll, steckt voller Zirkusluft und ist ein Glanzstück der Clownerie, an der alle Beteiligten Spaß haben, selbst der härteste aller Kritiker. Aber wenn schon so alt ist, dann darf man das wohl nicht mehr zugeben.

Auch die Bett-Rettungsszene ist wohltuender Klamauk, der an Bekanntes anknüpft und deshalb vom Publikum verstanden und leicht rezipiert wird. Diese gelungene Rezept zieht sich durch die gesamte Aufführung.

Gerade Mario Dengler in der Titelrolle trägt dazu bei, dass dieser Pinocchio so gut wie den Kindern landen kann. Ein Grinsen von Ohr zu Ohr und immer ganz große Auge, gepaart mit einer glockenklaren Stimme. Er sprüht geradezu vor Tatendrang und  optimistischer Blauäugigkeit. So ein unbedarfter Junge, der stolpert einfach von einem Missgeschick in das nächste.

Die Fee mit den blauen Haaren steht Pinocchio in seiner
zweitschwersten Stunde ab.
Dazu passt auch, dass Fuchs und Katze fast schon Randfiguren. Es stehen nicht zu sehr die Abenteuer und Missetaten im Vordergrund, sondern ganz eindeutig das Vater-Sohn-Verhältnis von Gepetto und Pinocchio. Serviert wird diese Auseinandersetzung eben in kleinen und appetitlichen Häppchen in schneller Folge. Doch durch die Sequenzen zeiht sich ein roter und somit folgt die Versöhnung der beiden Protagonisten durchaus einer inneren Logik

Für die Kinder wird Pinocchio zur Projektionsfläche und die Eltern und Betreuer können ihm nichts krumm nehmen. Oder ist es andersherum?

Mit EselHundKatzeHahn bei den Gandersheimer Domfestspielen hat Tante Polly schon 2015 bewiesen, dass das Trio ein glückliches Händchen für den Soundtrack zum Märchen hat. Mit Pinocchio setzt das Trio dies eindeutig fort. Dabei spielen Dominik Dietrich und seine Mitmusiker durchaus ironisch mit den Klischees der Musik. Da kann die kleine Möwe auch mal nicht nach Helgoland sondern an den Kocher-Strand fliegen. Aber das merken wohl nur die Älteren.

Vielleicht ist das Problem das undankbare Zwischenalter des härtesten aller Kritiker.Für pure Freude an dieser Inszenierung ist er wohl zu alt, für verständnisvolles Schmunzel und ahnungsvolle Kopfschütteln noch zu jung. Alle anderen haben auf jeden Fall viel Spaß an diesem Pinocchio, der erfrischend leicht daher kommt. Fast schon wie Balsa-Holz.









Veranstalter #1: Die Freilichtspiele Hall
Veranstalter #2: Das Stück

Thema #1: Pinocchio bei wikipedia



Andere Meinungen vom härtesten aller Kritiker

Der härteste aller Kritiker - Teil eins
Der härteste aller Kritiker - Teil zwei
Der härteste aller Kritiker - Teil drei
Der härteste aller Kritiker - Teil vier
Der härteste aller Kritiker - Teil fünf
Der härteste aller Kritiker - Teil sechs
Der härteste aller Kritiker - Teil sieben
Der härteste aller Kritiker - Teil acht
Der härteste aller Kritiker - Teil neun
Der härteste aller Kritiker - Teil zehn
Der härteste aller Kritiker - Teil elf
Der härteste aller Kritiker - Teil zwölf
Der härteste aller Kritiker - Teil dreizehn
Der härteste aller Kritiker - Teil vierzehn





Sonntag, 16. Juli 2017

Sterne verbrennen im Liebesfieber

Die Wahlverwandtschaften in Hall auf das Nötigste reduziert

Goethe ist schon schwerer Tobak. Aber man kann ihn auch verdaulich gestalten. Das beweist Caroline Stolz mit ihrer Inszenierung der Bühnenfassung von Gunter Heun. Dabei kommen beide ohne Modernismen aus und schaffen doch ein Stück mit Aussagekraft.

Die wichtigste Reduktion liegt in der Konzentration auf die vier Handlungsträger. Alle Randfiguren wurden entfernt und nur Eduard, Charlottte, Otto und Ottilie betreten die kreisrunde Bühne. Ist sie eine Arena, der Schauteller einer Etagere oder ein Liebeskarussel? Mehrere Deutungen sind zulässig und machen auch Sinn.

Mit der Ankunft des Hauptmanns Otto (Dirk Weiler, rechts)
gerät die Ordnung durcheinander. Alle Fotos: J. Weller
Auf jeden Fall wirkt das reduzierte Bühnenbild von Martin Dolnik faszinierend. Er lässt das Publikum in der Innere einer Spieluhr schauen. So wird bildhaft, dass  das weitere Geschehen einer sozialen Mechanik folgt. Oder einer naturgesetzlichen Zwangshaftigkeit, wie Goethe im Rückgriff auf den Chemiker Torbern Bergmann selbst anführte.

Passend dazu bewegen sich die Darsteller am Beginn des Stück wie die Puppen einer solchen Spieluhr. Abgehakt und unnatürlich und immer auf vorgegebenen Bahnen. Dazu sind alle Darsteller übertrieben geschminkt wie es  die Puppen des Biedermeiers es eben waren.

Damit greifen Stolz und Dolnik mehrere Versatzstücke aus dem frühen 19. Jahrhundert auf, um den gesellschaftlichen Rahmen und den Geist der Zeit zu verdeutlichen.Sie verzichten in ihrem klaren Konzept auf jegliche Modernismen. Selbst die Sprache ist der gestelzten Vorlage Goethes verhaftet.

Auch die Garderobe verbleibt im Biedermeier. Sie sieht nur eben recht abgerockt aus. Damit ist klar, dass hier eine Schicht schon bessere Zeiten gesehen hat und ihren Zenit deutlich überschritten hat.

Noch ist die Freundschaft von Eduard (hinten) und Otto
ungetrübt.         Foto: Jürgen Weller
Dann wird die Starre aufgelöst. Gunter Heun in der Rolle des Eduards gerät in einen Redeschwall und die Handlung nimmt Fahrt auf. Heun und Stolz erwecken die Wahlverwandtschaften schlagartig aus ihrem biedermeierlichen Dämmerschlaf. Mit dem Entschluss, den Jugendfreund des Barons für längere Zeit aufzunehmen, begeben sich Charlotte und ihr Gatte auf eine emotionale Schussfahrt, die nach der moralischen Logik des 19. Jahrhunderts unweigerlich in der Katastrophe enden muss.

Wer will, kann in diese Inszenierung durchaus moderne Zeiten hineinlesen. Denn mit der Aufnahme von Charlottes Mündel Ottilie entsteht der Urtyp der Patchwork-Familie. Vor diesem Hintergrund wird erst deutlich, welch Wohltat die Befreiung vom moralischen Imperativ im 20. Jahrhundert bedeutet.

Fein herausgearbeitet hat Caroline  Stolz die tiefe Ironie des Werks. Voller Tatendrang versucht Otto Struktur in das Leben und Wirtschaften seines müßiggängigen Freundes Eduard zu bringen. Der Hauptmann vermisst und kartografiert und plant und verdeutlicht. Aber gerade bringt damit die gewachsene Ordnung im Landschloss durcheinander. ZUm Schluss sind alle Sterne dere Hoffnung vom Himmel gefallen.

Im Zentrum des Geschehen steht Eduard und von Gunter Heun wird er wunderbar passend und auch allumfassend dargestellt. Von leise bis laut, von todtraurig bis albern, von raumgreifend bis nuanciert, von expressiv bis introvertiert, er beherrscht alles und kann es vermitteln. Damit ist Heun vielleicht der kompletteste Darsteller bei den diesjährigen Freilichtspielen.

Auf dieser Basis zeichnet er ein umfassendes Bild des eher ziellosen Adligen Eduard, inklusive seiner Gemütsschwankungen. Damit bringt Heun auch Eduards Aufwachen aus der Lethargie bei Ottilies Eintreffen glaubwürdig auf die Bühne.

Als der Hauptmann der Schlossherrin seine Liebe gesteht,
ist es zu spät.
Dennoch bleibt genug Raum für die Kollegen und wenn Heun der Fachmann für die Alpha-Männchen ist, dann ist Dirk Weiler der Experte für die schwierigen Charaktere. Manchmal steht ihm die Verklemmtheit ins Gesicht geschrieben. Manchmal scheint, dass der Text nicht so recht aus ihm heraus will, dass er sich nicht traut, das zu sagen was gesagt werden muss und deshalb kann er ihn nur über schmale Lippen herauspressen.  Damit ist er genau der Richtige für den Hauptmann, der nicht aus seiner Haut kann.

Heun und Weiler kontrastieren und ergänzen sich wunderbar. Mit diesem beiden Polen ist eine kongeniale Besetzung gelungen, die die verschiedenen Seiten der menschlichen Verwerfungen auslotet.

Alice Hanimyan braucht hingegen erst ein wenig, bis sie in das Fahrwasser findet. Ihre Ottilie ist in den ersten Sequenzen so sehr auf rotzfrech angelegt, dass man wünscht, auch die Biedermeier hätten schon Ritalin gekannt. Dafür ist ihre Wandlung zur ehrlich Liebenden und dann zur abgrundtief Verzweifelten um so schöner. Das geht zum Schluss richtig ans Herz.

Mit Silke Buchholz in der Rolle der Schlossherrin Charlotte gibt es auch hier einen ergänzenden Kontrast. Neben all den Hormonverwirrten gibt sie ruhig und äußerlich gelassen den Fels in der Brandung.

Goethe ist schon schwerer Tobak. Aber wenn er so dargereicht wird, dann hofft man, dass die Wahlverwandtschaften möglichst bald ihren Weg aus dem Theaterzelt der Freilichtspiele auf eine reguläre Bühne finden.







Veranstalter #1: Die Freilichtspiele Hall
Veranstalter #2: Das Stück

Thema #1: Die Wahlverwandtschaften bei wikipedia




Samstag, 15. Juli 2017

Das Drama der Reformation

Brenz 1548 bei den Freilichtspielen Hall

Es ist Reformationsjahr und während sich alle Welt auf Martin Luther konzentriert,  feiern die Freilichtspiele Hall den Lokalhelden und Reformator Johannes Brenz. Das ist durchaus zu begrüßen, denn es öffnet neue Perspektiven und liefert zugleich Detailansichten zu einem Ereignis, das die Welt verändert hat.

 Mit "Brenz 1548" versucht Intendant und Regisseur Christian Doll einen Spagat, der auf weiten Strecken gelingt. Dies ist vor allem den Hauptdarstellern Dirk Schäfer, Anne Weinknecht und Kerstin-Marie Mäckelburg zu verdanken.

Autor Andreas Gäßler wollte dreierlei leisten: Ein Drama abliefern, ein theologisches Lehrstück schaffen und Lokalgeschichte zeigen. Weil viele Anspielungen auf lokale Größen drinstecken, würde das Stück in Thüringen und in Anhalt, den Kernländern der Reformation so nicht funktionieren.

Dirk Schäfer beherrscht die Treppe und das Stück.
Alle Fotos: Jürgen Weller
Dort, wo es theologisches Lehrstück ist, wirkt "Brenz 1548" gelegentlich textlastig. Aber Gäßler schafft es, die Kernpunkte der lutherischen Reformation herauszuarbeiten. Er macht deutlich, was Katholiken und Protestanten trennt und das ist mehr als die Priesterehe und das Abendmahl. Es geht um ein neues Menschenbild und um die Freiheit des Christenmenschen. In seiner Inszenierung legt Christian Doll eben besonderen Wert auf diese Neuerung, die die Welt verändert hat.

Aber vor allem dort, wo "Brenz 1548" Drama sein darf, dort überzeugt es. Doll schafft beeindruckende Bilder und seine Darsteller schaffen bleibende Momente.

Die Handlung setzt 1548 ein. Der Thesenanschlag von Wittenberg liegt 31 Jahre zurück, Luther ist tot und die Reformation steckt in der Krise. Kaiser Karl V. lässt gerade mit Gewalt die Gegenreformation durch die deutschen Lande laufen.

Zwei Zeitreisende sind zur falschen Zeit am Ort. Sie sind auf der Suche nach Martin Luther und treffen auf Johannes Brenz. Der ist gerade aus Hall geflohen. Der Kaiser hatte die Auslieferung des reformatorischen Antreibers gefordert. Um sein Leben und sein Wirken zu rettten, ließ er seine todkranke Frau und die sechs Kinder zurück.

Ein Bild, das bleibt: Margarethe
stirbt.

Foto: J. Weller
Von diesem Ausgangspunkt erzählt Doll in Rückblenden die Geschichte der Reformation im deutschen Südwesten. Es sind einzelne, meist schnell, zuweilen auch hektische Sequenzen. Um so viel Dynamik auf die sperrige Freitreppe vor der Michaeliskirche zu bekommen, bedarf es wohl viel Regiearbeit. Man merkt gar nicht, das diese vertikale Bühne eigentlich ein Schauspielverhinderungsmonstrum ist.

Mit ihrem Bühnenbild mit acht Türen zieht Anne Brüssel einige Ebenen in diese Vertikale ein. Dies ermöglicht es, dass Spiel zu gliedern und zu begrenzen. Somit schafft sie Orientierung für das Publikum und damit trägt sie wesentlich zum Erfolg bei.

Angenehm ist auch, dass Veronika Witlandt  bei den Kostümen zwar modische Zitat bringt, aber ansonsten auf Anbiederung an das 16. Jahrhundert verzichtet. Damit bewahrt sie "Brenz 1548" vor dem Historienspiel und weist über die Zeit hinaus.

Geschichte wird gemacht und deshalb muss es auch rasant zugehen. Aber ihre wirklichen Stärken entwickelt diese Inszenierung, in den stillen und lyrischen Sequenzen, wenn gesprochen und nicht proklamiert wird, wenn die Schauspieler einfach mal ihre Präsenz wirken lassen dürfen.

Dazu gehört eindeutig die Liebesszene zwischen dem Dauerjunggesellen Brenz und der jungen Witwe. Das soviel Poesie aus dieser riesigen Bühne möglich ist, liegt an dem kongenialen Zusammenspiel von Anne Weinknecht und Dirk Schäfer.

Überhaupt scheint die Rolle des Reformators Dirk Schäfer auf den Leib geschrieben zu sein. Von laut bis leise, von fordernd bis verzweifelnd, Schäfer bringt die ganze Person Brenz auf die Bühne und macht auch dessen Zerrissenheit und Entwicklung deutlich. Damit setzen Doll und Schäfer einen neuen Höhepunkt in ihrer Zusammenarbeit.

Von Kaspar zum Despoten: Carl-Ludwig Weinknecht als
Kaiser Karl V.

Foto: J. Weller
Anne Weinknecht ist der leise Widerpart. Der zukünftigen Frau Brenz liegen nicht die großen Töne, sondern das beharrliche Nachfragen und das überzeugte Einstehen. Damit sind die beiden eine wunderbare Ergänzung.

Höhepunkt dieses Zusammenwirkens ist ohne Frage die Sterbeszene der Margarethe. Hiner kumuliert die ganze Dramatik in einem großartig Bild, das haften bleibt. Selbst die plötzliche Wendung der Sybille Burgmeister, überragend gespielt von Kerstin-Marie Mäckelburg, ist durchaus glaubwürdig.

Erst ein Kaspar, dann ein Despot So könnte man die Wandlung des Kaiser Karl V. beschreiben. Auf jeden Fall kann Carl-Ludwig Weinknecht in der Rolle des Regenten diese Entwicklung glaubhaft vermitteln.

Mit "Brenz 1548" hat Christian Doll einen überzeugenden Einstand bei den Festspielen Hall abgeliefert und bewiesen, dass er nicht nur lustig kann.







Veranstalter #1: Die Freilichtspiele Hall
Veranstalter #2: Das Stück

Thema #1: Johannes Brenz bei wikipedia
Thema #2: Kaiser Karl V.



Ein Mann und sein Publikum

Eine Abhandlung über Georg Ringsgwandl im Sülbecker Esel

Umfallen unmöglich. Bereits zwanzig Minuten vor Beginn des Konzerts ist der Saal rappelvoll. So voll, dass auf den billigen Plätzen jeder den anderen in der Vertikalen hält. Mancher erweckt den Eindruck, als hätte seinen Sitzplatz schon vor 40 Minuten erobert und sei auch nicht gewillt, ihn bis zum Ende des Abends preiszugeben.

Die Kopfrechenarten melden sich. Es sind offiziell 220 Gäste an diesem Abend im Esel. Jeder gibt eine Wärmeleistung von 180 Watt ab. Plus die Scheinwerfer, die schon jetzt auf der Bühne leuchten ist das ergo eine Bullenhitze schon zwanzig Minuten vor dem Beginn des Konzerts.

Dabei ist es doch ein selten lauer Abend in diesem nass-kalten Sommer 2017 und draußen laden Tische und Bänke zu Verweilen ein. Was treibt also die Menschen nach drinnen. Ganz einfach: Georg Ringsgwandl wird an diesem Abend im Esel spielen. Der Meister hat gerufen und seine Jünger und Jüngerinnen sind ihm gefolgt.

Von jünger kann aber nicht die Rede sein. Es dominiert die Generation Ü 50. Aber gut, der Ringsgwandl Georg, der geht ja auch auf die siebzig zu. Man ist wohl miteinander alt geworden, in einer Fernbeziehung und jedes Mal, wenn der Georg in der Nähe ist, dann guckt er halt bei seinen Freunden in Sülbeck vorbei. So schaut's zumindest aus.

Ringsgwandl hat sich zum x-ten Mal gehäutet.
Alle Fotos: tok
Er ist mit kleiner Besetzung gekommen. NIck Woodland spielt Gitarre und auch mal Mandoline, Christian Diener bedient den Kontrabass und Tommy Baldu sitzt am Schlagzeug und an der Percussion. Rechts auf der Bühne steht eine Zither, die darauf wartet, zum Einsatz zu kommen. Marketing-Hansels würden das Konzert wohl als "unplugged" verkaufen.

Max sitzt am Mischpult und Ringsgwandl stellt ihn vor, ganz familiär halt. Er lobt ihn, noch bevor der erste Ton gespielt wurde. Das Lob hat er sich mehr als verdient. Der Klang ist an diesem Abend einfach großartig. Klar und druckvoll und transparent. Jeder Ton klingt brillant. Dass der Meister zum Nuscheln neigt, dafür kann der Max halt nix.

Den ersten donnernden Applaus gibt es, als Ringsgwandl und seine Begleiter die Bühne betreten. Man weiß, was einen erwartet. Der lyrisch musikalisch Kabarettist ist schließlich zum sechsten Mal im Esel in Sülbeck.

Die Tour heißt "Woanders", genauso wie das aktuelle Album. Sie könnte genauso gut "Wer anders" heißen, denn mit diesem Werk hat sich das Multitalent mal wieder gewandelt. Oder muss es es heißen "gehäutet". Auf jeden Fall ist er anders las beim letzten Mal im Esel. Deswegen ist mancher im Publikum überrascht und trotzdem begeistert.

Von den schrillen, extrovertierte und lauten Zeiten der Alpinkatzen ist das aktuelle Werk Welten entfernt. Es ist ruhig, innerlich und persönlich. Man mag kaum glauben, dass dieser Mann einst den Alpenrock erfunden hat. Fraglich ist aber, ob das Publikum heute noch das Tempo von einst mitgehen könnte.

Eigentlich macht Ringsgwandl an diesem Abend alles falsch, was man bei einem Konzert falsch machen. Das Programm ist eben nur das aktuelle Album, Ringsgwandl redet viel, das Quartett spielt nur einen Song und dann redet Ringsgwandl wieder viel. Es gibt keine Show, keine Rampensau taucht auf und auch das Licht verzichtet auf Effekte. Es gibt halt nur Musik und die ist saugut.

Keine Angst, sie ist auch zum Einsatz gekommen.
Es ist wie auf dem Album, aber eben gleich zwei Spuren besser. Es bluest und sambat und ländlert und überall gibt es mindestens eine Extraportion Musik. Hier wird noch eine Schleife gedreht und dort noch etwas zur Studioversion hinzugefügt. Ringsgwandl und Band sind Zauberer. Mit kleinen Mitteln erzeugen sie Momente, die nachwirken und dann große Momente werden. Irgendwie swingt es einfach und niemand vermisst die lauten Alpinkatzen

Es sind vor allem Geschichten aus dem Alltag, von denen Ringsgwandl und seine Begleiter da berichten. Von ehemaligen Spargelköniginnen, von Kleinkriminellen und von der Einsamkeit der Provinz und von Frauen, die es dort nicht mehr aushalten. Aber sie haben alle einen besonderen Zauber. Alle eint ein Rest-Trotz, ein Rest-Optimismus.

Wie gesagt, eigentlich redet Ringsgwandl zu viel. Aber das steckt in ihm drin und muss raus und irgendwie gehört es auch dazu. Sonst würde man einiges nicht verstehen und überhaupt hat der Musiker eine besondere Art zu erzählen. Wie gesagt, er geht auf die siebzig zu wirkt doch wie ein kleiner Bub, der über sich und die Welt erstaunt ist. An diesem Abend gibt Ringsgwandl dem Publikum eine ordentliche Portion Unbedarfheit zurück. Es scheint, als sei Peter Pan im Esel gelandet. Die Generation Ü 50 bedankt sich dafür.

Es ist rappelvoll und bulleheiß im Esel und der Sauerstoffgehalt liegt noch drei Prozentpunkt unterhalb der Teenager-Party. Draußen laden Tische und Bänke zum Verweilen ein und weil die Fenster offen stehen, kann man dort auch jedes Wort und jeden Ton bestens verstehen. dank Max.






Musiker #1: Die offizielle Website von Georg Ringsgwandl
Musiker #2: Die Biografie bei wikipedia

Veranstalter #1: Das Programm im Esel



Donnerstag, 29. Juni 2017

Ein Konzert mit Kontrasten

YoYo und B.B. & The Blues Shacks lassen alte Zeiten aufleben

Der Förderverein der Stadthalle Northeim hat Mut bewiesen. Auf die Idee, eine Reggaeband und ein Bluesband und ein Dach zu bringen, sind bisher nur wenige gekommen. Auf jeden Fall ist es aber aufgegangen.

Klassentreffencharakter, vielleicht kann die Atmosphäre so bezeichen . Klassentreffen? Ja, man weiß, dass man sich aus alten Zeiten kennt oder kennen sollten. Dennoch gibt es da eine gewisse Distanz, die man erst mal langsam abbauen. Auch das Publikum machte diese Distanz deutlich, obwohl man sich doch eigentlich bestens kennt.

Yoyo macht das aber nicht aus. Mit "I shot the sheriff" gehen die sieben gleich in vollen. Damit gehen sie durch das Risiko ein, ihr Pulver zu schnell zu verschießen, denn das Set der Vorband besteht ja nur aus 12 Songs und es ist auch auf der Bühne ein wenig wie Klassentreffen, denn Jojo hat zurückgefunden. Sein Tastenspiel reiht sich an diesem Abend nahtlos ein in das Ensemble.

Till zeigt seine Klasse als Solist. Alle Fotos: Tok
Eigentlich könnte der Auftakt nicht besser sein. Der Bass wummert, das Keyboard wimmert, die Percussion breitet einen ordentlichen Rhythmusteppich aus und Till legt ein ordentlich Gitarrensolo hi. Heiko singt stimmig und gefühlvoll und macht die latente Aggressivität in diesem Song deutlich und Heike setzt die passende "Huhuhus". So muss Reggae sein.

Was nicht so sein muss, ist der bestenfalls mittelmäßige Sound in de Gesangspartien. Die Stimmen versacken im Sumpf der Mitte. Keine Spitzenöne in de Höhen und kein bassiges Gebrummel und das Text-Verständnis tendiert gegen Null.

Bei "Could you be loved"  ist es das gleiche Dilemma. Auf der Bühne eine Klasseband, die Spaß hat an dem, was sie spielt und die wegen der Unzulänglickeit der Technik nur einen Teil dieses Spaßes vermitteln kann. Den Fans ist es egal. Die Zahl der Mittänzer steigt langsam aber stetig und bei "Stir it up" kommt dann Stimmung auf. Northeim macht es seinen musikalischen Töchtern und Söhnen trotzdem nicht einfach.

Die Arlt-Brüder sind Rampensäue
Doch die haben Spaß mit dem was sie machen und je länger der Abend dauert. Tills Soli werden immer ausgefeilter und mit den Cover-Versionen von "Come together" und "Konockin' on Heavens Door" zeigen sie, dass irgendwie alles Reggae sein kann, wenn man es nur lässt.  Dann sind die 12 Stück durch und das Set ist durch, aber das Publikum lässt die Sieben dann doch nicht so sang- und klanglos gehen und erklatsch sich noch eine Zugabe. Klassentreffen können doch Spaß machen.

Kontrastprogramm ist angesagt. B.B. & The Blues Shacks kommen auf die Bühne und das Publikum rückt ganz dicht an die Rampe heran. Denn dafür hat man ja den Weg in die Stadthalle gemacht. Auch das ist ein Klassentreffen, denn seit mehr als 25 Jahren sind die Hildesheimer immer wieder zu Gast in Northeim und Michael wird sich publikumswirksam daran erinnern.

Was soll man eigentlich noch schreiben über eine Band, die seit langem und unumstritten Europas beste Bluesband ist? Die den Blues am Leben gehalten hat als kühler Elektro-Pop über dem ganzen Kontinent lag?

Der Mann, der schnell spielt als sein Schatten.
Na, ist doch klar. Die Jungs haben immer noch so viel Spaß wie am allerersten Tag und das Publikum hat mindestens genauso viel Spaß vom ersten Ton an. Schon beim Opener "She moves me" ist klar, wo es an diesem Abend lang geht: Straight forward. Andreas Arlt legt gleich eins seiner unvergleichlichen Soli hin. Eigentlich können so endlose Gitarrensoli recht nervtötend sein. Nicht bei Andreas Arlt. Es ist einfach erstaunlich wann und wo er welchen Ton noch aus seinem Instrument zaubert und das alles ohne irgendwelche Effektgeräte. Purer Sound halt. In einem eigenem Stil aus Blues und Soul reiht er Klänge der hektischen Art und Klänge der bedächtigen Art aneinander, ohne dass es Brüche gibt.  Man ist immer gespannt auf den nächsten Ton

Mit Fabian Fritz hat er jetzt einen adäquaten Mann an den Tasten. Die Kinnlade klappt gelegentlich runter, ob der Geschwindigkeit und Präzision mit der er die Töne aus dem Instrument befreit. Doch, die sind da alle drinnen gefangen und wollen möglichst schnell raus. Fabian Fritz ist wohl der Mann, der schneller spielt als sein Schatten.

Das Michael Arlt die Blues Harp zur Kunstform erhoben hat, dass ist an anderer Stelle schon vielfach beschrieben worden und zuletzt hier im April.

Bum-Bum, Bum-Bum, das ist der Rhythmus des Herzens und es ist der Rhythmus des Blues. Deswegen berührt er so tief  und deswegen werden schon beim zweiten Stück die Luftgitarren im Publikum gezückt. Damit ist alles bereit für ein Konzert aus der Kategorie "Herzschrittmacher".  


Northeim #1: Förderverein Stadthalle
Northeim #2: Programm in der Stadthalle

Musik #!1: Yoyo - die Website
Musik #2: B.B. & The Blues Shacks - die Website
Musik #3: der Youtube-Channel von B.B. & The Blues Shacks
Musik #4: der wikipedia-Eintrag zu B.B. & The Blues Shacks
Musik #5: B.B. & The Blues Shacks im Exil in Göttingen









Freitag, 23. Juni 2017

Wahrlich eine Sternstunde

Ballettgala bei den Schlossfestpielen zeigt mehr als State of Art

Thüringens Norden entwickelt sich zum Standort für Highballett. Das zeigte die Ballettgala "Sternstunden" bei den Schlossfestspielen Sondershausen am Mittwoch. Der zweigeteilte Abend gab vielleicht sogar einen Einblick in die Zukunft des Tanztheaters.

Den Auftakt machte das Thüringer Staatsballett in Gera. Zuerst arbeitete es "Romeo und Julia" aus anderer Perspektive auf. "Mercutios Geheimnis" erzählt die tödliche Liebe aus Sicht von Romeos bestem Freund. Dabei liegt die Betonung auf "erzählt".

Die beiden Choreographien dürften die Anhänger des klassizistischen Tanztheaters erfreut haben. Es ist traditionelles Handlungsballett und sie bedienen sich traditioneller Ausdrucksformen. Es gibt Spitze und viele Hebefiguren. Das ist gute alte Schule und passt zum gestelzten höfischen Gehabe in "Rittertanz" wunderbar und die Balkonszene rührt das romantische Herz.

Mercutios Geheimnis ist neoklassisches
Handlungsballett.    Foto: Veranstalter
Von diesem Punkt aus nähert sich das Staatsballett dann Stück für Stück dem zeitgemäßen Tanztheater. Dennoch bleibt das Pärchen-Thema das bestimmende. Das Trio aus "Gold aus Ring" erzählt von der Last der Einsamkeit und den Bedingungen und Wechselspielen der Gemeinsamkeit.

Erst liegt Hudson Oliveira am Boden, bevor er vom Duo Ion Beitia Fernandez und Vinicus Leme abgelöst wird. Die beiden passen einen Pas de deux, der von gegenseitiger Faszination, Anziehung, Abstoßen und Wiederfinden erzählt. Aus Miteinander wird Nebeneinander und Gegeneinander und wieder Miteinander. Man merkt schon, dass das gemeinsame Projekt mit der Band Keimzeit für Ballettchefin Silvana Schröder eine Herzensangelegenheit ist.

Schon bei der Verabschiedung von Jutta Ebnother im vergangenen Frühjahr war "My body is a Cage" im Theater Nordhausen zu sehen. Auch bei den Schlossfestspielen   gab das Staatsballett  gibt im Namen der Generation "Beziehungsunfähig" ein tänzerisches Statement ab. Der Choreographie von Silvana Schröder liegt ein Song von Peter Gabriel zugrunde, in dem der Altmeister des Psycho-Pops von den Hindernissen bei der Kontaktaufnahme singt.

Vertigo Maze der Semperoper ist das
Kontrastprogramm. Foto: Veranstalter
Stefania Mancini und Filip Kvaćák setzen diese Isolation in bewegender Weise um. Da ist das Leben, dass ihnen wie Staube zwischen den Finger zerrinnt. Erst tanzen sie als Solitäre, dann finden sie zueinander und zum Schluss bleibt er allein zurück, nachdem sie den Weg allen Irdischen gegangen ist.

Doch die 2017-er Version ist erweitert. Erst ertönt es ein Cover-Version mit fast lieblicher Stimme, dann grummelt Gabriel selbst in den Tiefen der Depression herum. Damit hat Schröder auf einfache Weise zwei Bearbeitungen ein- und desselben Themas geliefert, die mit ihren Nuancen die unterschiedlichen Ausdrucksmöglichkeiten des Tanz deutlich macht.

Damit bewegt sich der Abend auf modernen Tanz hin und folgt einer eigenen Dramaturgie. Neoklassische Elemente sind im zweiten Teil nur noch bei genauem Hinschauen zu entdecken.

"Vertigo Maze" mit Raquel Martinez Vicente und Jon Vallejo vom Ballett der Semperoper lebt von einem deutlichen Kontrast. Der Gegensatz von meditativer Musik und schnellen, raumgreifenden Bewegungen erzeugt eine Spannung und Neugier. Das, was Bach sein soll, klingt eher wie Stockhausen. Aus dem Miteinander des Pas de deux wird immer wieder ein Solo und dann wieder ein pas de deux.

Ähnliche Motive finden sich in "Der Tod und das Mädchen" vom Ballett das Mainfrankentheaters Würzburg. Trotz des  schweren Thema legen Kaori Morito und Leonam Santos eine Choreographie vor, die man durchaus als lyrisch bezeichnen. Weich und sanft sind die ersten Assoziationen zu diesem Pas de deux.

Es ist aber durchaus erkennbar, das Nordhausens Ballettchef Ivan Alboresi lang mit diesem Ensemble gearbeitet hat. Die Choreographie vereint klassische Figuren und modernen Ausdruck. Die Lyrik weicht dann aber der Hektik, die Schritte werden raumgreifend und die Tänzer durchmessen die Bühne, um zum Schluss wieder in geordnete Bahnen zu gelangen

Schwanensee vom TN Los! überzeugt auch auf der großen
Bühne der Schlossfestspiele. Foto: Veranstalter
Die "Groovin' Bodies" des Ballett Rossa der Oper Halle sind völlig anders angelegt. Die Musik ist minimalistisch, eine Melodie oder ein Verlauf ist nicht mehr zu erkennen. Es geht nur um den reinen Klang. Zudem sind Yulia Gerbyna und Michal Sedlacek meilenweit von Handlungsballett der ersten Stücke entfernt.

Bewegung ist das Thema und es ist die erste Choreographie an diesem Abend, die das Licht ganz sichtbar als Gestaltungsmittel einsetzt. Es wechselt von Fluter auf Spot und zurück. Mit ihren vielen Hebefiguren erzeugen die Tänzerin und der Tänzer spektakuläre Bilder und viele Wooow-Momente. Das Publikum versinkt geradezu in der andächtigen Betrachtung.

Abschluss und Höhepunkt bilden dann die sieben Choreographien der Hausherren. Auch wenn sie im Laufe des vergangenen Jahres so am Theater Nordhausen gezeigt worden, locken sie immer noch Erstaunen hervor. Zusehen sind Ausschnitte aus vier Stücken und alle eint eins. Ivan Alboresi ist Ästhetik durch und durch, ihm liegt nicht viel an der Erzählung einer Handlung. Es ist deutlich, dass es hier um den Reiz der Bewegung geht, um dieses Spannungsfeld aus Abstraktion und archaischen Werkzeug Körper.

Dazu verbindet er klassische Figuren und moderne Mittel zu einem sehr eigenen Stil. Man kann an diesem Abend darüber philosophieren oder einfach schweigen und genießen.

Etwas anderes zeichnet die Ballettgala noch aus. Fünf zum teil sehr unterschiedlich Kompagnien zeigen  nicht nur, was sie können. Sie beobachten einander auch und tauschen sich aus. Damit sind die Schlossfestspiele zum einen Labor in Sachen Tanztheater geworden. Die Weiterentwicklung der Bühnen ind Sondershausen und in Nordhausen macht damit einen großen Schritt nach vorne.


Thüringer Schlossfestspiele #1: Das Programm

Kompagnien #1: Thüringer Staatsballett Gera
Kompagnien #2: Ballett der Semperoper Dresden
Kompagnien #3: Mainfrankentheater Würzburg
Kompagnien #4: Ballett Rossa Halle
Kompagnien #5: TN Los! Nordhausen

Ballett Nordhausen #1: Die Seele erzählt nicht, sie tanzt
Ballett Nordhausen #2: Schwanensee
Ballett Nordhausen #3: Ballettgala 2016








Sonntag, 18. Juni 2017

Fett gehupt, richtig fett gehupt

Brönner und Ilg dringen zur DNA des Jazz vor

Es war anders als von den meisten erwartet, aber es war großartig. Am Sonnabend gastierten Till Brönner und Dieter Ilg bei den Kreuzgangkonzerten in Walkenried und sie zeigten, was den Jazz ausmacht: Der Dialog gleichberechtigter Partner. Damit bewies der Trompeter, der gelegentlich unter dem Etikett "Schmusejazzer" firmiert, dass er auch Ernst kann und das sogar richtig gut.

Der eine steht in den Charts, der andere in den Lehrbüchern. Till Brönner und Dieter Ilg sind  zwei recht unterschiedliche Seiten ein und derselben Musik. Während der eine die großen Hallen  füllt, ist der andere doch eher dem Fachpublikum bekannt. Dennoch prägt Ilg seit Jahrzehnten den europäischen Jazz und hat Maßstäbe in der Behandlung des Kontrabasses gesetzt.

Till Brönner hupt ganz schön fett.      Foto: tok
Sie als Antipoden zu bezeichnen, wäre übertrieben, aber diese Kombination verspricht eine produktive Spannung. Daher ist umso schöner, dass sich beide gelegentlich zur kleinsten Band der Welt zusammenfinden. Brönner wird im Laufe des Abends erklären, dass man Klavier oder Gitarre nicht braucht. Harmonieinstrumente würden einfach überschätzt, so seine steile These.

Reduktion auf das nötigste lautet der Anspruch an sich selbst und den erfüllen Brönner und Ilg. Der Bass erfüllt immer zwei Funktionen. Er ist zugleich Rhythmus- als auch Soloinstrument. Dieter Ilg kann das und zwar mühelos. Nicht ein einziges Mal wirkt der Meister angestrengt und uncool.

Mit Kuscheln ist nicht viel bei diesem Konzert. Schon mit dem Opener "Will of Nature" legt das Duo ein hohes Tempo vor. Es ist die Bebop-Version seines typischen Brönner-Songs. Ilg baut am Bass die Basis, auf der Brönner seine Melodie-Linien ablegt. Er setzt gleich drei Klasse-Soli in die weite Runde des Kreuzgangs. "Fett gehupt" nennt der Jazz-Slang solch einen Vorgang.

Im Dialog mit der Trompeter zeigt Ilg dann, dass auch der Kontrabass eine Soloinstrument ist. Im seinen Händen setzt das sperrige Instrument überraschend filigraneTöne. Ilg deutet an, was sonst noch so möglich ist mit vier Saiten und macht damit Lust auf Mehr. Er wird noch viel Raum bekommen an diesen Abend. Dieses Duo ist eine Partnerschaft auf Augenhöhe.

Cool oder konzentriert? 
Peng! Nun kommt das Kontrastprogramm. Die schrille Trompete schreit an der Grenze der Atonalität, um dann wieder in den Dialog mit den Bass einzutreten. Ilg leitet die Free Jazz-Anwandlungen seines Kompagnons in geordnete Bahnen. Aus dem Tonsalat schält sich ein Rhythmus und irgendwann swingt "Peng! Peng!" sogar richtig. Den Schlusspunkt setzt Brönner mit drei spitzen Tönen. Selbst für das ungewohnte kann sich das Publikum an diesem Abend begeistern.

Blues, Bebop, Swing, Cool oder Free Jazz. Brönner und Ilg fechten keinen akademischen Streit darüber aus, welche Spielart den nun der einzig wahre Jazz sei. Sie zeigen musikalische Zusammenhänge auf und machen Geistesverwandtschaften deutlich. Deswegen macht auch ein Volkslied wie "Es, es, es" ins Programm und die Suite BWV 1068 von Johann Sebastian Bach ins Programm.

Während der Bach und seine Air on the G-String in der Zugabe dann doch als barockes Schmusestück abgeliefert wird, kommt das Lied der Wandergesellen doch verdammt cool daher. Brönner setzt weiche Töne, die er ausklingen und wirken lässt. Mehr Reduktion ist nicht möglich . Mit dem Kunstgriff der Loopmaschine tritt die Trompete dann in den Dialog mit sich selbst ein und und das Publikum lauscht gebannt.

Für manche ist es ein Jazzstandard, für die Till Brönner verkörpert "Bod & Soul" einfach die DNA dieser Musik. Erst hat die Solo-Trompete den Blues und erinnert an die Ursprünge des Jazz, dann lässt es Brönner richtig swingen und erinnert an die Ära, die für manche die goldene sein mag. Nun setzt der Bass ein.

Es bleibt die Erkenntnis, dass Einsamkeit immer eine große Triebfeder war, um Gefühle in diese Art von Musik zu verpacken. "Body & Soul" endet in einem spitzen Aufschrei der Trompete und das Publikum macht "Puuuhhh!"

Manchmal braucht es einen Dämpfer.
Jazz als Kunstform gibt es an diesem Abend auch noch. In "Fith of Beethoven" versuchte Ornette Coleman den Rückgriff auf die Klassiker europäischer Musik. Auf den ersten Blick laufen die Klangfragmente Trompete und des Basses immer wieder gegeneinander und kontrastieren sich. Doch er gibt immer wieder kurze Momente des Einklangs, präzise gesetzt.

Dieser Song ist für Dieter Ilg wohl eine Herzensangelegenheit. Der bis dahin so coole Bassist geht aus sich heraus. Hätte Jiimi Hendrix einen Bass gehabt, er hätte ihn wohl so gespielt wie Ilg in diesen Momenten.

Till Brönner ist ein guter Entertainer und neben vielen Anekdoten erzählt er auch die Entstehungsgeschichte von "Café ou pão". Dann zeigt er, dass er auch ein passabler Sänger ist. Dass Boss Nova und Jazz Verwandte im Geiste sind, ist keine neue Erkenntnis. Sie noch einmal aus der Trompete von Till Brönner zu hören, ist trotzdem schön.

Ein Jazzabend ohne Charlie Parker kann nicht komplett sein. "Au private" steht an und das Konzert startete mit Bebop und Bebop ist dann auch der Schlusspunkt. Wieder legt Ilg die Basis, auf der Brönner dann fantasieren kann und doch finden sie immer wieder zueinander. Deswegen ist Jazz die Musik der Freiheit. Auf einer gemeinsamen Grundlage kann jeder machen, was er will und trotzdem bleibt man vereint.  



Walkenrieder Kreuzgangkonzerte #1: Die Website
Walkenrieder Kreuzgangkonzerte #2: Das Programm


Till Brönner #1: Die Website
Till Brönner #2: Die Biographie

Dieter Ilg #1: Die Website
Dieter Ilg #2: Die Biographie